• mittwoch, 2.8.2023

    WIR FAHREN DURCH

    7:21h. Irgendwie—und warum, das ist ja eigentlich niemals richtig klar, aber von wie hinter einem, von ganz hinten her kommt eine Vorahnung, eine mehr oder weniger konkrete Information, aus dem hoffentlich nicht ständig sendenden Strom des Bewusstseins und seiner Inhhalte, d.h. ständig sendend ja wohl doch, aber nicht ständig ernst genommen—wusste ich schon Montag, dass die FedEx-Person am Dienstag nicht erscheinen würde, um das Paket für Zürich abzuholen. Kam auch nicht. Also wieder Gelegenheit, einzuüben, was wirklich stets dringlicher wird: shrug it off, und was anderes machen. Wenn man mal ganz ernsthaft, also in möglichst voller Konsequenz darüber nachdenkt, was man selbst alles nicht in der Hand hat, kontrollieren kann, beeinflussen kann, wird einem kurz schwindelig.

    ICHI AUCHI

    Jetzt aber sitze ich im Zug. Um dorthin zu gelangen, erhellte mir um 5:49 Uhr ein Morgenhimmel in den leuchtenden und ultrakünstlichen Farben eines isotonischen Sportgetränks den Weg. Powerade Morning Blast, Croissant Flavor. Im Abteil: Teenagermädchen haben die Schuhe aus und ihre Girlfüßchen stecken in weißen Sportsöckchen. Jetzt dösen sie bereits, über die Tische vor ihnen hingestreckt wie Trinker bei Toulouse-Lautrec. Es ist nicht ihre Uhrzeit.
    Am Gleis eben traf ich Lenny, nawasmachstdudennhier, und er zeigte auf seine zwei berucksackten Compadres, das seien seine Leute von der Linksjugend, und sie fahren jetzt nach Prora. Auch deswegen habe ich beste Laune. Findet mich das Glück?

    Exit Left

  • dienstag, 25.7.2023

    I HAVE NO ENEMIES BUT MY FRIENDS DON’T LIKE ME

    Musik—ich vergesse immer wieder, welche Wirkung sie haben kann, wie sie sich einrichten kann in einem, Schaden repariert, RUHE schafft, oder ist das sogar Ordnung?
    Nicht nur im Moment des Hörens selbst, sondern auch in ihrer akuten Abwesenheit, quasi—ja, long-covid-mässig. Ihre Partikel setzen sich im Innern ab. Jetzt bin ich also förmlich süchtig nach der Musik von Morton Feldman. Wie konnte ich das je nicht hören—aber die Antwort ist die, dass bestimmte Musik erst bestimmte Vorraussetzungen braucht, die man durch Training schafft. Und erst dann spült sie sich von selbst an unserer Küste an.

    Ein kleiner Vor-Herbst zieht durch das Rheinland. E. am Telefon, gestern: Man wird immer alleiner, und dann stirbt man.

    Nix Barbie.

  • Sonntag, 16.7.2023

    KERNKRAFTWERK EXPLODIERT

    Von der Art, wie manche Menschen, an manchen Tagen, sich durch und im Laden bewegen, geht oft ein Maß an überschüssiger Information aus. Unangenehme Information. Wie in kranker Verwandtschaft zur Wissenschaft. Was machen wir jetzt bloß damit.
    Und wie der Laden gleichsam mit seinen weißen Wänden eine kleine Welt der Klarheit und der Handlungen eingrenzt, die Erwartungen zu den Abläufen in eine übersichtliche Anzahl an Modulen übersetzt, führt nochmal dazu, daß scheinbar alles ein wenig konkreter wird, weniger abstrakt, als im freien Raum der Vollöffentlichkeit. Eine absurde Fernsehhaftigkeit tritt ein, mittelmäßige Scripts, abgegriffenes Acting. Ist man selbst etwas zu empfindlich unterwegs, wird das schnell anstrengend, da als Mitinvolvierter. Man wird regelrecht sauer von der Traurigkeit, die diese Vorhersehungen auslösen, und ist dann nochmal extra schockiert von der Statistenrolle, in die sich diese Fremden wie in einem Schicksalsdrama dann TATSÄCHLICH einfügen. Da weiß man aber auch schon, dass mit einem selbst was nicht ganz stimmt. Man fügt sich selbst mit ein, in einer nicht minder bescheuerten Nebenrolle. In Every Dream Home Hour—A Heartache