NOTAT AM VIRGINAL
Freitagabend, beim Rausgehen aus dem KG, das Konzert von Jeff Parker war gerade zu Ende gegangen, die Instrumente standen und lagen jetzt unbemannt und unbelebt da, nur von violettem Licht großzügig angestrichen, lehnte da auf einmal Pippolito der Babyfather an der Türe, in einem Mauve-Hemd, und ich meine auch, er hatte seinen Arm irgendwie so lässig… aber man wollte ja möglichst schnell jetzt mal eben an die kühle Luft nach draußen, vor die Türe—hast du Zigaretten? Nee ich hab aufgehört—wo es schon dunkel geworden war, echte Nacht.
Draußen sprachen wir darüber, wie das ist, dieses merkwürdige, aber für die Kunst (und vielleicht für alles) nicht unerhebliche Mangelgefühl, den eigenen IDEEN erstmal nicht zu trauen, ihnen Minderwertigkeit fast aggressiv anzuhängen. Woher kommt das. Ich war immer der Meinung, dass es zu einem großen Teil mit der Erziehung und auch der Klasse zu tun hat. Jedenfalls eher als eher nicht. Wenn von AUSSEN nicht bloß Lob und Ermutigung kommt, so situativ wie mit dem Salzstreuer, sondern wenn dem so eine gewisse Ernsthaftigkeit und Konstruktivität zugegeben ist, die eine GESUNDE Form von Selbstverständnis loskeimen lässt, den eigenen Ideen gegenüber. Leute wie ich müssen sich das über den Umweg anderer Künstler etwas beschwerlich anlernen. Das hat dann auch zur Folge, dass man sich von diesen verdächtigen Formen des Selbstbewusstseins nicht so geblendet und überrumpelt fühlt, und etwas straighter durchblicken kann, zum sog. WERK.
Der erkaltete Brennnesseltee hat eines der schönsten Grüns, die ich kenne. Ein translucent Grüngelb, fast gülden schimmert es im Licht. Wer macht mir Nettle Green in Tuben.