VENDEDORA DE FRUTAS
…stellt das Handy aus und fängt an zu blättern und zu lesen.
Hitze werde ich nie so richtig lernen. Sie senkt sich in die Bucht und kauert hier im Gebälk, mich lähmend, starr und offensichtlich wie eine Australian Huntsman-Spinne. Stattdessen, to reiterate:
Was unerträglich ist, hält man lange aus; und: Man kann das Schreckliche nicht glauben, bis zum Schluss. Und wandere ich doch durchs finstere Tal, mis compañeros se llaman Pistazie, Heidelbeere, Wiener Mandel. Was macht wohl der Mauersegler von neulich? Die Reiterin, sie schreibt mir nicht mehr. Hat sie mich schon wieder vergessen? Es macht Spaß, sich im Wechsel mit ihr Namen für Rennpferde auszudenken. Ich fand, ich hatte einen sehr guten neulich: Andromeda Boulevard. Warum schreibt sie denn nicht?
Schöne Postkarten aus Berlin sind gekommen, das riesige Sargent-Buch ist gekommen. Bekomme ein Foto zugesandt über Whatsapp, wie es da liegt, auf dem Counter des Buchladens, Lady Agnew im Sessel. Von hinter der Folie schaut sie einen an, und auf der dünnen Folie ein Lichtreflex, eine Form, white-out, brennend weiß, wie die Sonne am Himmel selbst. Eine betrübliche Konstante weiterhin: die Hässlichkeit deutscher Bücher des 21. Jahrhunderts. Der Gewinner ist diesmal das neue Arno Geiger-Buch, a product of KiWi. Mir stockt der Atem, echt wahr. Es ist wirklich ALLES möglich in dieser Welt. In relation to all things.
Durch das Halkett-Buch, ja und nicht zuletzt durch das super lebendige Fernande Olivier-Buch über Picasso, war mir ein hundertjähriger Schleier über die Mulden der Wahrnehmung gehangen, angenehm, ganz und gar un-raunig. Ich fühlte mich auf gewisse basics, auf eine anregende Rustikalität hingelenkt, die wiederum—Überraschung—den transaktionalen Grobianismus der Gegenwart freilegt.
Interne Beobachtung und Schlimmheit: der immer gleiche Drall des Scheiterns, der Selbstabscheu, des latenten Todeswunsches und der Erstickungsgefahr durch REINE GEGENWART. Das funktioniert nach Assoziationsaffekten. Steh ich in der gekachelten Normalohölle der U-Bahnstation Friesenplatz, vorbei an den vormittäglichen Heroinrauchern und ihren blauschimmernden Alufolien, neben den immer mehr werdenden Irren, Stinkenden und Deformierten, denk ich: maybe that’s MY crowd, MY people, maybe I BELONG. Und dieses ganze Rumgestehe in der Kachelhalle, in stiller Gemeinschaft und Zustimmung, ist das Aufnahmeritual in den Kreis der Ihrigen, Niederwurf und Annexion, mit einem Schwert aus Zigaretten.