POWERHORSE PELIGROSA
Mehrmals die Woche gehe ich mittlerweile am selben lonely Crackraucher-Typ vorbei, der, schon die Folie erhitzend, auf der Treppe hoch zur Linie 3/4 sitzt. Es ist schon SEIN Platz. So schmerzhaft klein die Stadt. Seine gebräunte Haut im Nacken, vom U-Bahn-Bunkerlicht ins Grünliche beleuchtet, ist bereits mit Vorfreudeschweiß benetzt, das sehe ich im Vorbeigehen, wenn ich auf ihn herabschaue, möglichst viele Details aufzunehmen aus diesem tableau realisme. Er sitzt da immer ganz einsam und konzentriert sein basales Werkzeug befingernd, Bibliothekstyle. Ab Phase Irgendwann nimmt man Drogen nicht mehr „mit Freunden ein“. Mit Freude vielleicht auch nicht. Das alles vor 12 Uhr. Manchmal macht es mir gute Laune, ein andern Mal will ich die ganze Stadt brennen sehen. Draußen, an der Oberfläche, geht ein kühlender Wind. Er bläst die Hitze der letzten Woche aus allen Furchen der Stadt.
Wenn ich im Atelier Powerschlaf mache (15-25 Minuten), liege ich fast direkt auf dem Steinboden. Nur eine gefaltete Luftpolsterfolie und zwei dünne Iso-Matten, die ich mal auf der Straße gefunden hatte, zwischen mir und dem Stein. Wenn es wie gestern läuft, ist es am Schönsten: kaum liege ich—das Gehirn hat bereits wenige Sekunden vorher auf den entsprechenden Modus umgestellt—und kaum habe ich die Augen geschlossen, spüre ich die Müdigkeit in ihrer Erhörung, spüre ich eine Leichtigkeit in den Kopf strömen, um dann, mit dem ganzen Körper, wie eine viskose Flüssigkeit in den Untergrund zu sickern, oder was immer dort sein mag, und mich davon ganz aufnehmen zu lassen. Dann ist die Zeit verschwunden, bis der Wecker am Telefon klingelt.
Angeregt durch und in den Salzweißen Augen von Dath lesen. Wirklich angeregt, weil ich merke, wie es mich denkmässig anspringen lässt, es ist auch einfach so VIEL, was er in die Sätze zu packen und zu berücksichtigen versucht, was mich dann auch wiederum stellenweise in so einen Zustand der (An)Spannung bringt, weil ich mir nicht sicher bin, ob er, Dath, den Pfeil dann auch abschießt, für mich, den er so trainiert und sehnig erst aus dem Köcher zieht und einlegt. Er denkt aus dem richtig großen Bottich heraus, und das ist selten und gut, speziell jetzt, denke ich leider dazu, in den späten späten 2016s.