ZLATANS TRÄNEN
Because when you put down a mark and you put down another mark, something is happening in the spaces between those several marks or movements. Philip Guston
War das die crazy Tramplerin, deren Lustgestöhne mich aus dem noch jungen Schlaf holte, und mich auf diese nicht unangenehme Art in den Zustand von Wachheit bugsierte, den ich als „einzellerhaft“ beschreiben würde? Da lieg ich dann da, die Augen sinnlos auf, und alles ist dunkelblaues Licht und mit kommt die komische Vorstellung, in Hanna-Barbera-Studios-Optik, wie die Tramplerin sich fußstampfenderweise einen Dildo einführt, und dann dreh ich mich auf die Seite und schlafe wieder ein.
Sentimental werd ich, wenn Männer in Fußballstadien zu weinen anfangen. Auch ich bekomme feuchte Augen. Ich weiß nicht genau, was das ist, aber es ist irgendwie lustig. Selbst Zlatan ging der Arsch auf Grundeis, als das San Siro für ihn sang, ihn besang, Zlatan Ibrahimovic, und die Kamera fing Dutzende weitere Männer ein, stiernackige, volltätowierte, vapende und Kinder tragende, die ebenfalls mit nassen Äuglein dastanden, vor lauter emotions nicht wussten, was sie mit ihren Händen machen sollten, also fingen sie zu klatschten an, und dann war da wieder Zlatan im Bild, jetzt in Nahaufnahme, und sein Unterkiefer bebte, mit Coolness war jetzt nix mehr, und da spürte ich die Träne in meinem Auge.
Samstag die Beobachtung, wie FEUER immer noch ein sehr hohes standing genießt, wenn es darum geht, Kinder in den Bann zu ziehen. Egal ob Lenny, mit 14, oder Jule, mit 9: sobald sie einmal ein trockenes Büschel Gras in die ausklingende Glut geworfen hatten, und sahen, welch dichter, plastischer Rauch in all seiner windenden Eleganz sich da aus dem Glutherd schraubte, waren sie hooked. Für die nächsten zwei Stunden gab es nichts anderes mehr, als Dinge ins Feuer zu werfen oder kleine Fackeln zu bauen. Besonders Jule baute, wie ich fand, sorgfältig konzipierte Fackeln, obwohl sie auf Nachfrage hin vehement bestritt, jemals vorher feuerbesessen gewesen zu sein.
Dieses humans at play/Feuer-Ende betrachtete ich als eine interessante Wendung, denn am Anfang, ein paar Stunden vorher, unterhielt ich mich noch mit dem 14jährigen, der in der Linksjugend aktiv ist, über sein Ärgernis, nicht wählen zu dürfen, und wir fragten uns, ob nicht die Wählerschaft zu jeder Wahl an demografische Realitäten gekoppelt werden sollte, oder ob das nicht zumindest möglich wäre? Und nun war dieser außergewöhnliche 14jährige wieder ganz Kind und kokelte—berechtigterweise—herum.