• Montag, 10.4.2023

    IN IT FOR THE LONG GAME oder SIEG ÜBER FedEx

    Der Widerspruch, für den findet die Natur ganz—entschuldigung—natürliche Formen. Es scheint die Sonne auf mein Bett, ein warmes gelbes Trapez, aber es weht kühl herein, durchs Fenster. Das ist schon funny. Funny wie funny, nicht wie seltsam. Besonders dann, wenn man in einer Laune ist, in der man meint, das einen alles nichts angeht. Vor allem das, was mit dem eigenen Leben zu tun hat. Ich habe keinen Begriff dafür. Nennen andere das Buddhismus? Oder das Dieffenbach-Syndrom? Es ist so scheißegal. Was anderes: die Tage tragen schon mehr Blau in die Nacht herüber.
    Gestern ging ich mit meiner Mutter, nachdem wir gegessen hatten, etwas am Rhein spazieren. Kleine Runde. Das Licht und die Luft, Frühling stülpt sich live über den Winter. Als wir schon wieder auf dem Rückweg waren, fragte sie mich, ob wir uns kurz auf die Bank da setzen wollen? Das fand ich süß von ihr. Zwei, drei Minuten, mehr nicht. Ich schaute aufs Wasser und musste an die Aquarelle von Sargent und Zorn denken, wie sie da das Wasser so hinbekommen, und wie irre das immer wieder ist, festzustellen, wie schlecht man…

    Kurze Zeit vorher, bevor wir aßen und ich spazieren ging, streichelte und kraulte ich der Nachbarshündin Mara den Kopf, den sie auf die bauchhohe Mauer gelegt hatte, und ein kräftiger beam von Sonnenlicht erwärmte ihr schwarzes dichtes Fell, während ich mit den Fingern durchfuhr.
    Wäre ein guter Zeitpunkt gewesen, zu denken: self-expression puts no truth in beauty. Darum ist es gut, dass mich self-expression nicht interessiert. Ich ordne nur neu an. Aus einer Laune heraus, in der man meint, das einen alles nichts angeht.

  • Samstag, 8.4.2023

    SHAPEWELDING

    “Aus dem Nichts heraus”—so heißt es doch, so sagt man manchmal. Seltsam redundant kommt es mir dann vor, so wie jetzt eben, als ich an etwas denken musste, und dabei komischerweise auch dachte, wie aus dem Nichts das jetzt gekommen war, dieser Gedanke. Um die Gedanken geht es jedoch dabei gar nicht so sehr. Eher darum, wie konkret diese sind, mysteriös genau und angefüllt. Born on the 4th of July verge of the eye. Ein Gedanke an einen Moment, eine Mitte, aus dem ewigen Strom eines Davor und Danach.
    Ich musste an einen Wintermorgen denken, keinen bestimmten, nur ein Wintermorgen, ein Median. Keine Erinnerung, ein Gedanke. Aber musste ich wirklich?

    Es war noch in der alten Wohnung. Mir fiel eine Art von Ruhe ein, die mir der Blick durch das große Fenster, auf eine von leichtem Schneefall weiß und weich abstrahierte Landschaft als solche übersetzte. A truth of general aspect

    Can you cut it with the impressionist remarks, sagt Patrick Bateman

    Ok, sorry

    Und dabei wollen alle Frühling jetzt. Auch ich.

  • Sonntag, 2.4.2023

    HARUOMO UND KAZUHIKO

    Mittwoch Abend fand ich mich mit anderen Leuten, Künstlern, Sammlern, Funktionären der hiesigen sog. Kulturbranche, in einem japanischen Restaurant wieder, das eigens für uns zu einer “Geschlossenen Gesellschaft” deklariert worden war. Durch das Fenster sah ich das japanische Personal unsere Ankunft erwarten, wie einen Endgegner. Ich rauchte vor der Türe noch 1 Parisienne und roch an der Modrigkeit der warmen Abendluft. Dämonen?
    Vorher, in der Galerie, wurde ein Kunstfilm über eine Lepra-Kolonie gezeigt. Ich sah ihn nicht­­­, war mir doch das Gürteltier erst in den letzten Wochen so ans Herz gewachsen, dass mir nun nicht nach Anti-Gürteltier-Propaganda war.

    Im Innern des Restaurants entfaltete es sich dann…anders als ich es mir vorgestellt hatte. Ich fragte mich zwischendurch, warum ich hier war, oder warum man mich eingeladen hatte. Dann unterließ ich diese Gedanken, und aß Sashimi und Sushi, und mir gegenüber saß Kaoli, eine japanische Künstlerin aus Düsseldorf, die ich noch nicht persönlich kannte, und schon wenig später, nachdem ich ihr zwei oder dreimal “1cm Wein”, wie sie sich , mit Vorsicht gemahnenden Hähnchen in der Luft wedelnd, ausdrückte, nachgeschenkt hatte (”Alkoholdehydrogenase”, so mein internes Internet. Biologie-Leistungskurs bei Frau B., Abitur mit einer 2+ in der Abi-Klausur. Meine beste Bio-Klausur ever. Dafür schrieb ich ausgerechnet im Englisch-LK, meinem absolutem Paradefach, die schlechteste Englischklausur meiner Gymnasiallaufbahn im Abitur. Bis heute glaube ich, dass Frau G., meine eigentlich tolle Englischlehrerin, mir mit dieser Benotung einen eher erzieherischen Effekt mitgeben wollte. Eigentlich konnte ich nie akzeptieren, dass diese Klausur so schlecht gewesen sein konnte, und so benahm ich mich auch. Richtig so.), fragte ich Kaoli, ob sie Haruomo Hosono kenne, denn den hatte ich, mich vielleicht instinktiv auf den Abend vorbereitend, am Vormittag noch laut zuhause gehört, und Kazuhiko Yamahira. Kaolis Augen blühten über den blauen Tellern rohen Fischs auf wie Chrysanthemen, und sie reichte mir die Hand und von da an waren wir Schwestern für ein paar Stunden.