• Freitag, 3.3.2023

    SOFTEST HARD DRIVE

    Die Wirkung des Museums: beruhigend, erfüllend. Die Vorstellung allein, wenn ich nur daran denke, dass es das gibt, dass es jemand hat hin bauen lassen: das Museum hier. Oder jedes Museum.
    Dreams never vanish here.
    Funnily enough—an der Kunst hier liegt es nicht vordergründig, an dem Wissen um deren Ansammlung, an dem sich durch hunderte Besuche sedimentartig abgelegten Wissen um den Umfang der Sammlungen, über einzelne Bilder, deren Macher, den ganzen sich aus dem uns e i g e n e n, immerzu verfügbaren Hypertext Wissen und Erinnerung (installiert in the softest hard drive Gehirn) selbst verweisenden Details zu den Menschen, ihren Lebensumständen, den Zeiten, den begleitenden Fotos und Dokumenten aus den Zeiten, die wir betrachten, und aus denen uns manchmal Gerüche und Geräusche entgegenkommen, die wiederum Regungen in uns auslösen können, man könnte sogar sagen: GEFÜHLE, echte, aufs Schönste unscharf an den Kanten zu Erlebtem oder Ersehntem. Hätte ich vor zehn Jahren noch niemals erträumt, dass der Ort des Museums, oder eine Bibliothek, so etwas sein könnte, so ein Energizer, etwas, zu dem man sich hingezogen fühlt, wie zu Jemandem, mit dem man gerne im selben Raum ist, nur in diesem Fall ist es selbst ein Raum.
    Was reicht, und was sich manifestiert im Museum, ist es allein zu wissen, dass diese Gegenstände DA sind, und so zurückhaltend sich präsentieren. Ich bin hier, wenn du mich brauchst. Dein leuchtender Sog.

  • Mittwoch, 1.3.2023

    SCHUTT-BETRACHTUNG 1: VISUAL ORDER OF GERÖLL

    Hier schreibt Ihr Glückselefant.

    Es ist soweit, glaube ich. C🕳️VID ist eine Erinnerung; und wird jetzt so geschrieben.
    Vor mir erstreckt sich schon der Graben 🕳️🕳️, den die Zeit gebuddelt.
    Spüre den Aushub an seinen Rändern, ich stoße mit den Füßen dran, weil ich nach oben, nach vorne schaue. Und wenn man erstmal mit erinnern dran ist, kann man gleich noch mehr erinnern: stehen bei Philipp noch die rosanen Lilien, meine?

    Also: während sich hier aus frostiger Nacht und schalem Weiß ein wolkenloser, blauer Wintermärzmorgen hievt, hab ich automatisch zu Michel Würthles Paris Bar Confidential-Journals gegriffen. Jetzt entfaltet sich hier, vor mir, durch die Hand des Würthle -> durch das Buch des Steidl die ganze Befremdlichkeit
    der Dringlichkeit
    der Seuchenzeit.
    Drei Jahre. Mir kommt es vor wie mind. fünf. Die ganzen Zeichnungen, sie leben genauso wie die ganz offensichtliche und somit auch dargestellte LUST an der Gestaltung, dem eigenhändigen Schreiben der Speisekarten der Bar, der Sprache, der Schreibsprache, der Sprechsprache, unberührt weiter. WAS sie gestalten und ausdrücken, an was sie sich annähern (E. Jünger) wollten, das ist alt, weg, tot. So ein merkwürdige Welt. Merkwürdig, weil sie ist nur ein ganz klein bisschen anders, als die, die wir jetzt kennen.

    Der tolle Pragmatismus dieser Würthle-Bücher, diese Eleganz, die sich ganz aus dem Vertrauen in das Material ergibt. So geht Eleganz eben auch: es kann ruppig but straight zugehen (die Eleganz, auf Bemühungen zu verzichten). Einfach eingescannt, abfotografiert, macht man Bilder zu Bildern, und die tut man in ein Buch, auf jede Seite eins. Vorne fängt es an und hinten hört es auf.

    Auch Philipp: “Scheidungsgrund war ja Zu Dicke Beine”

    Einen Anzug bei Brandstetter nur für gegrillte Anchovis essen

    Was noch? Der Effekt des Wiedererkennens, Bruderschaft des Striches. Stricher-Boys. In Würthles Büchern ist präsent der variable schwarze Strich des Pentel® Art Brush Pen, den ich auch so gerne benutze (Allah beschütze bitte die Firma Pentel für immer). Wenn die Tinte völlig aus der Pinselspitze verzeichnet ist, dann drückt man auf den schlanken, geriffelten Oberkörper des Stiftes und sieht den schwarzen Saft in den durchsichtigen Gewinde-Teil fließen. Das ist der Teil mit der Erotik des Materials. Die prall mit Pigmenten und Binde-Öl gefüllten Tuben, die Fässchen mit schwarzer, schimmernder Tinte.

    Was noch? Berlin-Bilder. Bilder von Berlin. Vom Foto-, vom Scannen her noch mal mehr blauer, bläulicher, winterlicher, kälter, berlinerer. Texte, aus denen a bissal der Tod herweht. Das ist nur korrekt so, wenn man mal drüber nachdenkt. Fotos von Gräbern. Oder ist es nur eins? Carolina hieß die Frau. Jetzt liegt Schnee auf ihrem Grab, liegt Schnee oben auf ihrem Grabstein, dick und thingy, wie etwas von Claes Oldenburg Erdachtes. Ich vergesse oft, dass auch Frauen sterben.

    Plötzlich ging die Sonne aus wie Fuck…

    Ich komme jetzt nicht weiter. Aber wie wär das: nicht immer nur das Neue vom letzten Tag, sondern immer mal wieder das Letzte aus dem nicht mehr so neuen Buch, von neuem angeschaut?

    Er veröffentlicht Musik
    unter dem Namen
    Desperate Westerners

  • Montag, 27.2.2023

    SANFTES VERWELKEN

    Das Licht heute, da flirrt alle Biomasse. Trotz Kälte. Blaue Bänder, schäumende Lebenskelche, et al. Nur die Straßenbahn, die streikt.

    Wie ich neulich, in Berlin, wieder so viel Spaß hatte am Bahnfahren, an der Funktionalität des Berliner Netzes. Und Spaß hatte ich auch zu Fuß. Wieder täglich an der Bozener vorbeigehen. Ich äugte immer herüber.

    -Philipp: Briefwechsel Oelze-Benn. Briefwechsel Jünger-Benn.
    -Ich: glaube beide.

    Anscheinend besteht mein sog. Arbeitsleben, d.h. also fast mein ganzes Leben, aus dem Wechsel zweier Phasen: Bild- und Textphasen. Jetzt also wieder Text. Schön. Herzlich Willkommen, Text. Thomas McGuane schreibt: I was transfixed, all my general views gone, everything withering to make room for the present

    Schaue auf, sehe Peppa Pig Wutz, das Babyschweinchen.