Mittwoch, 1.3.2023
SCHUTT-BETRACHTUNG 1: VISUAL ORDER OF GERÖLL
Hier schreibt Ihr Glückselefant.
Es ist soweit, glaube ich. C🕳️VID ist eine Erinnerung; und wird jetzt so geschrieben.
Vor mir erstreckt sich schon der Graben 🕳️🕳️, den die Zeit gebuddelt.
Spüre den Aushub an seinen Rändern, ich stoße mit den Füßen dran, weil ich nach oben, nach vorne schaue. Und wenn man erstmal mit erinnern dran ist, kann man gleich noch mehr erinnern: stehen bei Philipp noch die rosanen Lilien, meine?
Also: während sich hier aus frostiger Nacht und schalem Weiß ein wolkenloser, blauer Wintermärzmorgen hievt, hab ich automatisch zu Michel Würthles Paris Bar Confidential-Journals gegriffen. Jetzt entfaltet sich hier, vor mir, durch die Hand des Würthle -> durch das Buch des Steidl die ganze Befremdlichkeit
der Dringlichkeit
der Seuchenzeit.
Drei Jahre. Mir kommt es vor wie mind. fünf. Die ganzen Zeichnungen, sie leben genauso wie die ganz offensichtliche und somit auch dargestellte LUST an der Gestaltung, dem eigenhändigen Schreiben der Speisekarten der Bar, der Sprache, der Schreibsprache, der Sprechsprache, unberührt weiter. WAS sie gestalten und ausdrücken, an was sie sich annähern (E. Jünger) wollten, das ist alt, weg, tot. So ein merkwürdige Welt. Merkwürdig, weil sie ist nur ein ganz klein bisschen anders, als die, die wir jetzt kennen.
Der tolle Pragmatismus dieser Würthle-Bücher, diese Eleganz, die sich ganz aus dem Vertrauen in das Material ergibt. So geht Eleganz eben auch: es kann ruppig but straight zugehen (die Eleganz, auf Bemühungen zu verzichten). Einfach eingescannt, abfotografiert, macht man Bilder zu Bildern, und die tut man in ein Buch, auf jede Seite eins. Vorne fängt es an und hinten hört es auf.
Auch Philipp: “Scheidungsgrund war ja Zu Dicke Beine”
Einen Anzug bei Brandstetter nur für gegrillte Anchovis essen
Was noch? Der Effekt des Wiedererkennens, Bruderschaft des Striches. Stricher-Boys. In Würthles Büchern ist präsent der variable schwarze Strich des Pentel® Art Brush Pen, den ich auch so gerne benutze (Allah beschütze bitte die Firma Pentel für immer). Wenn die Tinte völlig aus der Pinselspitze verzeichnet ist, dann drückt man auf den schlanken, geriffelten Oberkörper des Stiftes und sieht den schwarzen Saft in den durchsichtigen Gewinde-Teil fließen. Das ist der Teil mit der Erotik des Materials. Die prall mit Pigmenten und Binde-Öl gefüllten Tuben, die Fässchen mit schwarzer, schimmernder Tinte.
Was noch? Berlin-Bilder. Bilder von Berlin. Vom Foto-, vom Scannen her noch mal mehr blauer, bläulicher, winterlicher, kälter, berlinerer. Texte, aus denen a bissal der Tod herweht. Das ist nur korrekt so, wenn man mal drüber nachdenkt. Fotos von Gräbern. Oder ist es nur eins? Carolina hieß die Frau. Jetzt liegt Schnee auf ihrem Grab, liegt Schnee oben auf ihrem Grabstein, dick und thingy, wie etwas von Claes Oldenburg Erdachtes. Ich vergesse oft, dass auch Frauen sterben.
Plötzlich ging die Sonne aus wie Fuck…
Ich komme jetzt nicht weiter. Aber wie wär das: nicht immer nur das Neue vom letzten Tag, sondern immer mal wieder das Letzte aus dem nicht mehr so neuen Buch, von neuem angeschaut?
Er veröffentlicht Musik
unter dem Namen
Desperate Westerners