• Donnerstag, 16.3.2023

    HEFTIGE NACHT DER ROSEN

    “Im Vergleich zu 1990 sogar um 40 Prozent weniger”… ja was—ich glaube, es ging um den CO2-Ausstoß, als dieser Satz aus dem ganz leisen Radiowecker mich traf, nicht zwischen die Augen, aber in mein Erwachen hinein, und das ist, vielleicht, dasselbe. Manchmal kommen diese ersten Worte, ersten Sätze des Tages später wieder hoch, aus dem sog. Nichts, und ich werde schier überfallen in anderen Gedanken, bei anderen Tätigkeiten. Beim Zeitzeichen aufzuwachen hatte manchmal so einen Effekt, dass der oftmals historische Rückgriff direkt Bilder und Atmosphären, ein dünnes, tauzartes Metaverse hinter der Netzhaut erzeugte, …der Geburtstag des Malers Claude Monet, …wurde Theodore Roosevelt der 26. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika
    Ich stelle den Wecker, wenn ich ihn stelle, immer so, dass ich nicht bei den Nachrichten aufwache. Das Gehör ist schon wach, bevor man die Augen öffnet.

    Eben haute auch schon jemand gegen irgendwelche Rohre hier, weil es gab den typischen Rohrhämmersound, und da wusste ich: okay, jetzt muss ich also auch loslegen.

    Bis die neu gekaufte domain mit Inhalt gefüllt ist, muss das hier reichen. Wieso reichen?

    Wie schnell zum Teil die Praktiken—nicht verloren gehen—aber bleich werden, abfallen im internen Ranking der Großidee von den eigenen Tätigkeiten, Dingen, die man regelmäßig macht, oder machen will. Selbst nach neun Jahren Journal: wenn ich eine Woche nicht schreibe, immer die Frage: kann ich das noch, worüber schreibt man da?

    Apropos Monet noch. Anscheinend komme ich jetzt in die Erkenntnisphase, in der ich den jetzt wirklich zu begreifen beginne, vielmehr in mir eine Bedeutung sich festsetzt. Gestern holte ich mir die neue Künstlerkarte ab und wollte dann direkt ins Wallraf-Richartz, was ich auch tat, aber nicht über den gift shop hinauskam, bzw. wollte. Kaufte also nur eine Postkarte, und dann blätterte ich in einem Monet-Katalog des, glaube ich, Potsdamer Barberini-Museums, der, wie ich fand, sehr schön klar gestaltet und frisch und crispy neu dalag. Wie ein Schluck frisches Quellwasser. Und während ich da so ein bisschen umblätterte, dachte ich, daß ich jetzt ganz klar, für mich, sagen kann: Monet ist wichtiger als Cezanne. Und schön war dabei auch, zu wissen, daß es völlig egal ist, in the greater scheme of things, aber eben nicht für mich.

  • Mittwoch, 8.3.2023

    HARRY STYLES WOHNT HIER NICHT

    JA: auch dieses Journal hier soll bald woanders stattfinden, nach nunmehr 9 Jahren umziehen. tumblr ist over. So it goes. Die Bauarbeiten finden bereits statt.

    Wie der Mann, der nur als Kopf im Vordergrund in Munch’s Bild “Melancholie” auftaucht, schaue ich heraus auf etwas, das nicht im Bild selbst ist. Aufregend.

  • Freitag, 3.3.2023

    SOFTEST HARD DRIVE

    Die Wirkung des Museums: beruhigend, erfüllend. Die Vorstellung allein, wenn ich nur daran denke, dass es das gibt, dass es jemand hat hin bauen lassen: das Museum hier. Oder jedes Museum.
    Dreams never vanish here.
    Funnily enough—an der Kunst hier liegt es nicht vordergründig, an dem Wissen um deren Ansammlung, an dem sich durch hunderte Besuche sedimentartig abgelegten Wissen um den Umfang der Sammlungen, über einzelne Bilder, deren Macher, den ganzen sich aus dem uns e i g e n e n, immerzu verfügbaren Hypertext Wissen und Erinnerung (installiert in the softest hard drive Gehirn) selbst verweisenden Details zu den Menschen, ihren Lebensumständen, den Zeiten, den begleitenden Fotos und Dokumenten aus den Zeiten, die wir betrachten, und aus denen uns manchmal Gerüche und Geräusche entgegenkommen, die wiederum Regungen in uns auslösen können, man könnte sogar sagen: GEFÜHLE, echte, aufs Schönste unscharf an den Kanten zu Erlebtem oder Ersehntem. Hätte ich vor zehn Jahren noch niemals erträumt, dass der Ort des Museums, oder eine Bibliothek, so etwas sein könnte, so ein Energizer, etwas, zu dem man sich hingezogen fühlt, wie zu Jemandem, mit dem man gerne im selben Raum ist, nur in diesem Fall ist es selbst ein Raum.
    Was reicht, und was sich manifestiert im Museum, ist es allein zu wissen, dass diese Gegenstände DA sind, und so zurückhaltend sich präsentieren. Ich bin hier, wenn du mich brauchst. Dein leuchtender Sog.