• Sonntag, 29.1.2023

    KÜSSE DEIN KATANA

    Der elegant gebogene Schwertgriff eines Plastik-Samuraischwert ragt über den Rand des vordersten Pappkartonagendisplays, eines von mehreren, übereinander gestapelten Displays, die in diesem Zusammenhang, dem Kaufland Zusammenhang, als “Karnevalsabteilung” durchgehen sollen. Von Ingenieuren entwickeltes Licht fällt auf die Szene. Das Schwert liegt ganz oben auf, als sei es grade eben erst vom Himmel auf die anderen props gefalllen. Und jetzt streckte es seinen Griff nach mir. Fast hätte ich.

  • Sonntag, 22.1.2023

    WET AND DRY PAINTINGS

    Im Tantuni-Haus, abends, als ich über der Hühnersuppe des Hauses saß, deren vieläugige Fettschicht verlockend indischgelb aufschimmerte am Rand des Suppentellers, stellte sich raus, auch Frau Meryem, Mitarbeiterin dort, hatte doğum günün kutlu olsun, denn man brachte ihr eine kleine Torte mit Kerzen und ein türkischer Pop-Smasher hob kurz an durch die bluetooth-Box, und man spendete ihr einen kleinen Applaus, und so auch ich. Mitgerissen von der Mini-Euphorie gab ich mich zu erkennen als auch-Geburtstagsgirl, und da jaulte es auch nochmal kurz hoch, und ich bekam sogar ein Stück der Torte, die ich natürlich sofort verschlang. Auch die Suppe zu zahlen verweigerte man mir. Zivilisation.
    David Crosby starb ein paar Tage zuvor. Schrieb er nicht eines der schönsten…

  • Freitag, 20.1.2023

    BASED ON SKETCHES HE MADE IN VAL D’AOSTA

    Überhörte, notierte das Wort “Blümchensex” ins kleine Notizbuch. Aus dem Gespräch zweier alter FRAUEN heraus, auf der Ehrenstraße.

    Als ich vom Japaner, wo ich mit L. Abendessen war, in Richtung UBahn ging, vorbei an einer Familie von Roma, oder Sinti, die sich grade auf ihren Matratzen, die sie direkt an die Flanke des Kaufhauses gelegt hatten, so daß nur eine dünne Glasscheibe sie vom wärmeren Inneren trennte, zum Schlafen die Decken und Schlafsäcke bis zum Hals hochzogen, dachte ich, sehr originell, aber im Grunde unangreifbar wahr: das ist alles nicht richtig. Bei dieser Kälte draußen zu schlafen, das wünscht man wirklich nicht mal seinem ärgsten, beschissensten Feind. And yet­–there they are. Und all die anderen. Der Mann, dessen kleines Gesicht unter dem Rand einer Mütze das letzte war, was ich von der Gruppe aus dem Augenwinkel heraus sah, lächelte sogar.
    Dann ein Digitalscreen: Soap-Actor und Vogue Centerfold-Zwerg Selenskyj sagt, hattu Panzer muttu geben.

    Gegen ARMUT und ELEND geht niemand “auf die Straße”. Die Armut und das Elend ist ja schon auf der Straße. Vielleicht fehlte dieser Kampagne auch ein autistisches Kind für säkulare Anbetungsaffekte. Medienwissenschaften 2023.

    Ich bin so dumm wie ein Vulkan