SEGELFLUGPIONIER IM OSTPREUSSISCHEN ROSSITTEN, ADEPT DER LOHELAND-SCHULE, MALER IN DER RHÖN, JOURNALIST FÜR DIE FRANKFURTER ZEITUNG UND DIE VOSSISCHE ZEITUNG
Wie mir da, im letzten Eintrag, ganz zum Schluss, das “au premier coup” noch hinausfiel–das ist einer von diesen Textfetzen, Textelementen, spezifisch für diese Textform hier, nach meiner Auffassung der Textform, und sowas fällt aus der Aufmerksamkeitssphäre direkt in den Text hinein, ausgelöst wie vom Gummihämmerchen des Arztes beim Gelenkabtrommeln: eingelagert wie die Kleinstelektrizität des Körpers selbst. Genau.
Sprache ist extrem, wie sie ist und wie sie gemerkt wird, und extrem ist normal. Ein Tag ist immer ein Tag der Sprache. Auch, wenn man den ganzen Tag zuhause bleibt und niemanden spricht. Und wenn man möchte, kann man versuchen, ihn anhand dessen nachzumalen, den Tag, wie man ihn auch anhand zB von Kontoauszügen nachmalen könnte, oder noch abstrakteren Daten. Portrait of a day.
Irgendwie unerklärbar ermutigt immer, wenn mir, nach dem obigen Prinzip des Gummihämmerchens, der Satz aus dem Marcus Steinweg-Buch einfällt, auf mich hinabfällt: “es ist die Sprache, die am sprechen hindert, nicht ihr Verlust.” Word.
Au premier coup: ja klar, das ist wahrscheinlich schon immer das Motto, die Herangehensweise gewesen für das Journal hier, das jetzt ins achte, ins neunte (?) Jahr geht. Coup Dreiundzwanzig. Vorher war bei mir kein Wissen darüber da, darüber, dass andere, aus einer anderen Branche, einen Begriff dafür haben. Ich akzeptiere und lasse Akzeptanz bei mir und für mich selbst entstehen dort, wo ich bei anderen anknüpfe. Everybody is social that way.
Mein Elfenbeinturm ist öffentlich zugänglich (wie die Parkuhr, kost zwei Mark nur). Also: man schreibt los, bringt vielleicht zuerst die größeren Massen zu Papier, und dann wird man feiner, geht in die Details, so sehr man eben will, wie weit der “Schein des Ganzen” gehen soll.
Der liebe Unhold, René Halkett. Geschenk von Mark. Was steht hier: “Autobiografisches Zeitportrait von 1900 bis 1939”. Da ist es also schon wieder, Portrait. Das Portrait, es bedeutet meistens: ein BILDENDES AUSSEN. Vorne auch ein Foto von Halkett, und selbstverständlich sieht er auch aus wie ein Mensch aus “1900 bis 1939”, wie ein “deutscher Emigrant”, wie ein “Kadett und Soldat im Ersten Weltkrieg, unsteter Wandervogel und Student in Gießen, Heidelberg, Frankfurt/Main, Freikorpskämpfer und KPD-Sympathisant, Mitglied der Bühnenwerkstatt am Bauhaus/Weimar und Mitarbeiter der “Roten Bühne” in Berlin usw.
12:05h, mutloser, grauer Himmel und Regen. Dat is doch nur Geröll, ich hab heute Sonne im Herzchen, schwöre.