VORSICHT EINSICHT WIMPERNSCHLAG
Über Nacht ein zwielichtiger Austauschdeal: von trockener Kälte und Minus 4 zum braunem Sud aus vertikalem Wasser und Asche, der fahl im Aschenbecher suppt, ein dumpf mit totem zyklopischen Auge in die Welt zurückstarrender Tümpel, Plus 4 dazu. Pataphysischer After-Burner, ein Hang-Over ohne Feier.
Wetter ist ja auch eine Frage des Timings.
Letzte Woche Selbstbeschenkung, mit Michel Würthles “Paris Bar Press Confidential”, 7 Bände made by Steidl. Teilhabe, offenes Denken und Sprechen, Zärtlichkeit, Schmerz des Vergehens und Freude an der Liebe zu Lebenden und Toten. Natürlich auch: Tagebuch, Bilder-Journal, Chronistenpflicht. In Band 5, Seite 15, ein großes Foto–ich muss das Buch quer nehmen–und da ist der Ausblick, den nicht nur Ich kenne, sondern auch meine Augen. Vom Balkon am Ufer aus, direkt auf die Ankerklause, die gegenüber wie schlafend an der Neige liegt, die Brücke, ich sehe sogar das winzige Malerbedarfsgeschäft, auf der Ecke, neben der Kneipe, wie heißt sie, Fuchsbau? Schnee liegt frisch gefallen, und durch den Abdruck des Fotos hat er die gleiche Farbe wie der Himmel darüber, kälter noch als in echt. Jungkater Felix reckt den Hals, um über die Brüstung zu lugen. Nur drei, oder vier, oder fünf Häuser weiter hat L. gewohnt. Kam man aus dem Haus, sah man im Prinzip genau das, was das Foto auch sieht. Der Gedanke an diese Parallelitäten thrillt mich. Vielleicht kindisch, aber es ist MEINS.
Argentinien ist Weltmeister, Messi hebt im qatarischen Negligé den Pokal
in den Wüstennachthimmel. Deutsche Kommentatoren finden das “nicht
okay”, das mit dem Negligé. Man ist geneigt, fast überall das
Täter-Opfer-Prinzip anzuwenden, überzustülpen. Auch davon, übrigens, handelt das
Würthle-Werk: von der Wahrnehmung zwischen den Setzkästen des Denkens. Ich nehme es lieber mit der Restwelt auf, als mit der Würthle-Welt, das ist “eh klar” (Hegel).
Bei Bittner konnte ich von A6 auf A6 kopieren. Es geht nämlich (natürlich) doch. Postkarten-Imperium for the Win?