• Sonntag, 11.12.2022

    HUMAN SUFFERING DOESN’T SELL TICKETS IN KANSAS CITY

    Bei Bittner lag ein Buch von Thomas Melle, über die Beastie Boys als “beste Band der Welt”, irgend so ein maskulines Superlativ-Ansagen-Ding. Was für ein Umstand, ein ganzes Buch darüber, dacht ich da. Im Prinzip hab ich nichts gegen die Beastie Boys, sie interessier(t)en mich einfach nicht. Mir ist nicht klar, in was für einer Verfassung ich sein müsste, um ein Begehren nach den Beastie Boys zu spüren. Ich bin ja nicht 17. Darüber war ich so ein bisschen traurig geworden: die Beastie Boys als höchste Form des musikalischen Weltangebots, von einem was, 50jährigen? Und dann, vielleicht auch, obwohl’s hart klingt, ein bisschen froh darüber, in diesem Falle nicht Melles Leben geführt haben zu müssen, um zu diesem Schluss zu kommen. All das in 20 Sekunden. Und ein Tag hat wieviele, 86400?

    Abgeholt dafür das Atticus Lish Buch. Die neuen McCarthy-Bücher hat Bittner in so einer attraktiven Doppel-Kassette da, verschweißt. DAS BUCH–wie kann ein Objekt immer noch so geheimnisvoll sein, nach all der Zeit. Vorne, da ist das Cover, und was dahinter ist, das sieht man nicht.

    Es ist kalt und trocken. Ich bin im Griechencafé. Alle sprechen Griechisch, und ich verstehe nichts. Wunderschön. Die Tage hatte der Typ hier mir, meine nach einem Snack scannenden Äuglein interpretierend, angeboten, ein Rührei zu machen. Mit einem Rührei kann man manchmal mein Herz gewinnen, isso.

    Ich bin beeindruckt
    von Kroatien

    Manchmal kommt die Frage auf, unter meinen peers, wie wir unsere eigene Kunstsammlung starten würden. Vier wüsste ich sofort: ich will einen Milton Avery, ich will einen Sargent, ich will einen Kienholz und ich will eine Rosemarie Trockel. I’d go from there.

    „The scene had an African quality about it: the nonchalance of the passers-by contrasted with the woman’s plight“

  • Donnerstag, 8.12.2022

    PLASTIC

    Von dieser Funktion von Träumen hatte ich noch nicht gehört. David Eagleman im Gespräch mit Brian Eno. Neben der Tatsache, dass ziemlich ähnliche Prozesse (wie im Traumzustand) des Verbiegens und Kombinierens auch im Wachzustand passieren (”Kreativität”), sagt Eagleman, dass das Träumen im Prinzip eine Art territoriale Auseinandersetzung im Gehirn selbst darstellt: ein Infight der Sinnesbereiche. Die visuelle Sphäre unserer Gehirnkapazität sieht sich jedes Mal, wenn es dunkel wird und wir uns mit dem Schlaf gleichsam in ein Reich der Bildlosigkeit bewegen, in Gefahr, Gefahr eines takeovers durch die anderen Sinne. Es kommt also–eine ziemlich geile Pointe, wie ich finde–die Adaptionsfähigkeit, bzw. die konstruktivistische Power des Gehirns als Gefahrenpotential ins Spiel. Und so, laut Eagleman, befeuert das visuelle System alle gut neunzig Minuten den visuellen Cortex mit Action. So wehrt sich unser visueller Apparat gegen die Übernahme seiner Funktion durch den Tastsinn, das Gehör, wie auch immer diese Neuaufteilung von Aufgaben cerebral gelöst werden. Auch hier hat Eagleman ein Beispiel parat: bei sehenden Menschen, denen man die Augen verbindet, lassen sich schon nach einer Stunde erste Veränderungsmaßnahmen in den betreffenden Arealen feststellen. Es wird umgestellt, Aufgaben neu verteilt. Das Hirn, es will sofort an die Arbeit.

    Restaurants, die aber nach Konsistenz der Speisen aufgezogen sind. RESTAURANT FÜR WEICHE SPEISEN (Depressive?)

    We are delighted
    to announce that
    Gerhard Richter is now
    represented
    by Zwirner

  • Sonntag, 4.12.2022

    A CAPELLA

    Winter as ambience

    Manchmal findet man Sachen. Z.B. die auf dem iPhone von mir heimlich aufgenommenen kleinen Unterhaltungen mit Otto. Ich mag sehr den Sound, wenn Otto “der Wichser” sagt. Da steckt alles drin, pure Life. Und dann: sofort kommt eine zarte Sprachwendung, von der Tiefenmelodie her, und er sagt etwas ganz Süßes, Zärtliches.

    Gestern mit M. im Laden gesprochen darüber, wie interessant das ist, dass es eigentlich keine “alte” Musik mehr gibt, sondern wie sich die Kultur (oder Kulturindustrie?) dahingehend verändert hat, dass eine Marvin Gaye Platte, oder eine Gil Scott-Heron Platte ganz NATÜRLICH mit einer neuen, aktuellen Platte gekauft wird, von jungen Leuten, auch nicht so jungen (Gedanke hier: es hat weniger mit dem Alter des Individuums zu tun, als mit einem Angebot der Kultur, so in etwa). Dass vielleicht eher so ein Kontinuitätsgedanke da ist mittlerweile, also doch eine Art von The End Of History? Oder warum eine aktuelle Platte wie die SYLVIE, obwohl sie ganz konkret den (manche sagen: vollendeten) Studio-Production-Sound der 70er Jahre vorführt, keine “retro” Sache ist. Schon das Sprachelement “retro” scheint komplett verschwunden aus der begrifflichen Umlaufbahn, es ist irgendwie zurückgefallen, to the outer rims, und ich denke, bin sicher, das bedeutet etwas. Wenn die Worte sich entfernen, dann ist etwas anderes näher gekommen.

    Am schönsten, für mich, ist es, wenn ich morgens nicht weiß, was mich am Mittag für sich einnimmt. Das Unmittelbare, wenn einen unmittelbar etwas angeht. In meiner Vorstellung das Gegenteil von Tod. Eine Bewegung zu etwas hin–ob halb zog es ihn, halb sank er hin, ist völlig egal. Wie ich zu The Singers Unlimited.

    zu Ehren der
    japanischen Nationalmannschaft