PERUANISCHE SCHAMANEN
Vielleicht verstarb Benedikt XVI. heute Morgen auch bei 18 Grad, in Rom, an diesem LETZTEN Tag des Jahres 2022. Und vielleicht vernahm der Geist des nunmehr auf der Schwelle sich befindenden Ratzinger dies und vielleicht dachte er, kurz bevor überhaupt alles für ihn endete: Mensch, das ist aber warm hier? Ich weiß es nicht, und ich weiß nicht, für was der sanfte Apparat der Sensorik in dem Moment, in dem er begriffen ganz herunterzufahren, noch empfänglich ist, ob nun wirklich für gar nichts mehr, oder aber für fast ALLES.
Was ich aber weiß, ist, daß ich gestern, in der Fußgängerzone, den Maronen-Mann sah, auf dessen gelbem Schild stand in grüner Schrift, schön groß:
HEISSE MARONEN
3€
5€
Die FuGäZo war ein einziges Geschwader aus Daunenjacken. Die Geschäfte packed mit Menschen und Waren, im großen FIVE GUYS BURGER sah ich Menschen auch oben, auf der zweiten Etage, zu mehreren an Tischen sitzen.
Ich ließ mich treiben und stand auf einmal in der großen Mayer’schen, Etage 2, und blätterte im neuen Sloterdijk. Es geht um die Farbe, bzw. eher die Idee von GRAU, gemeint als TON, zwischen Weiß und Schwarz, gemeint als eben nicht das Mischprodukt der beiden, sondern als eigene Färbung, die nahezu alle Farben enthält, so wie hier jetzt der Mittagshimmel heftig ins Blauviolette geht, das in den Wolken kauert. Insert und imagine: Heideggers blaugraue Daunen, Acid Rain auf D’schland. Denkbar. Keine Uhrzeit ist dem Licht anzusehen, und das Wort, das mir einfällt, ist factual light.
Bei Bittner McGuane’s Panama bestellt, und Denis Johnson’s Die Großzügigkeit der Meerjungfrau mitgenommen. Es stimmt auch, daß die Literatur mir wie ein Hunger kommt. Wie der Hunger nach einem Cheeseburger mit Bacon sich rauchig auf dem Gaumen ankündigt, so brauch ich manchmal einen Sound, einen Stil, sofort. Und hinterher, zuhause, war ich dann auch echt glücklich, daß ich mit Johnson richtig lag. In einer Geschichte wirft einer ein Marsden Hartley Bild ins Kaminfeuer.
Bei Walther König aufgefallen: Saul Steinberg Buch, Between the Lines. Als ich im ebenfalls sehr schönen George Grosz The Early Years blätterte, fiel mir dann auf, zum ersten Mal, bisschen stumpf aber wahr: die Zeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg, die Soldaten, die Bombenkrater, die unendlich verdrehten Stacheldrahtzäune, die sehen selbst alle so aus, als sei jede Linie, aus denen sie bestehen, ein Stacheldraht. Dann trat ich hinaus in den Regen.
Next up: Spinat kaufen.
Für 2023: au premier coup