• Donnerstag, 8.12.2022

    PLASTIC

    Von dieser Funktion von Träumen hatte ich noch nicht gehört. David Eagleman im Gespräch mit Brian Eno. Neben der Tatsache, dass ziemlich ähnliche Prozesse (wie im Traumzustand) des Verbiegens und Kombinierens auch im Wachzustand passieren (”Kreativität”), sagt Eagleman, dass das Träumen im Prinzip eine Art territoriale Auseinandersetzung im Gehirn selbst darstellt: ein Infight der Sinnesbereiche. Die visuelle Sphäre unserer Gehirnkapazität sieht sich jedes Mal, wenn es dunkel wird und wir uns mit dem Schlaf gleichsam in ein Reich der Bildlosigkeit bewegen, in Gefahr, Gefahr eines takeovers durch die anderen Sinne. Es kommt also–eine ziemlich geile Pointe, wie ich finde–die Adaptionsfähigkeit, bzw. die konstruktivistische Power des Gehirns als Gefahrenpotential ins Spiel. Und so, laut Eagleman, befeuert das visuelle System alle gut neunzig Minuten den visuellen Cortex mit Action. So wehrt sich unser visueller Apparat gegen die Übernahme seiner Funktion durch den Tastsinn, das Gehör, wie auch immer diese Neuaufteilung von Aufgaben cerebral gelöst werden. Auch hier hat Eagleman ein Beispiel parat: bei sehenden Menschen, denen man die Augen verbindet, lassen sich schon nach einer Stunde erste Veränderungsmaßnahmen in den betreffenden Arealen feststellen. Es wird umgestellt, Aufgaben neu verteilt. Das Hirn, es will sofort an die Arbeit.

    Restaurants, die aber nach Konsistenz der Speisen aufgezogen sind. RESTAURANT FÜR WEICHE SPEISEN (Depressive?)

    We are delighted
    to announce that
    Gerhard Richter is now
    represented
    by Zwirner

  • Sonntag, 4.12.2022

    A CAPELLA

    Winter as ambience

    Manchmal findet man Sachen. Z.B. die auf dem iPhone von mir heimlich aufgenommenen kleinen Unterhaltungen mit Otto. Ich mag sehr den Sound, wenn Otto “der Wichser” sagt. Da steckt alles drin, pure Life. Und dann: sofort kommt eine zarte Sprachwendung, von der Tiefenmelodie her, und er sagt etwas ganz Süßes, Zärtliches.

    Gestern mit M. im Laden gesprochen darüber, wie interessant das ist, dass es eigentlich keine “alte” Musik mehr gibt, sondern wie sich die Kultur (oder Kulturindustrie?) dahingehend verändert hat, dass eine Marvin Gaye Platte, oder eine Gil Scott-Heron Platte ganz NATÜRLICH mit einer neuen, aktuellen Platte gekauft wird, von jungen Leuten, auch nicht so jungen (Gedanke hier: es hat weniger mit dem Alter des Individuums zu tun, als mit einem Angebot der Kultur, so in etwa). Dass vielleicht eher so ein Kontinuitätsgedanke da ist mittlerweile, also doch eine Art von The End Of History? Oder warum eine aktuelle Platte wie die SYLVIE, obwohl sie ganz konkret den (manche sagen: vollendeten) Studio-Production-Sound der 70er Jahre vorführt, keine “retro” Sache ist. Schon das Sprachelement “retro” scheint komplett verschwunden aus der begrifflichen Umlaufbahn, es ist irgendwie zurückgefallen, to the outer rims, und ich denke, bin sicher, das bedeutet etwas. Wenn die Worte sich entfernen, dann ist etwas anderes näher gekommen.

    Am schönsten, für mich, ist es, wenn ich morgens nicht weiß, was mich am Mittag für sich einnimmt. Das Unmittelbare, wenn einen unmittelbar etwas angeht. In meiner Vorstellung das Gegenteil von Tod. Eine Bewegung zu etwas hin–ob halb zog es ihn, halb sank er hin, ist völlig egal. Wie ich zu The Singers Unlimited.

    zu Ehren der
    japanischen Nationalmannschaft

  • Montag, 28.11.2022

    BOYCOTT WATAH

    Die großen amerikanischen Symbole, as they say, sind alle l e e r – the river, the sea, the open road, the prairie, the light across the water in “Gatsby”

    vor mir aber wollen sich partout keine Symbole erkennen lassen, nur lokale Straßen, lokale Wege, vollgesogen mit Novemberwasser, und Wasser ist nunmal wirklich für JEDEN, leider, und es ist nasser als sonst. Und hier ist das Problem mit der Vertrautheit, wenn ihr Haltbarkeistdatum abläuft: es macht mir die Straßen so unangenehm voll, so unleer, weil sie voll sind mit dem cache memory all meiner Blicke, historisch und abgenutzt und historisch abgenutzt, und sie lassen keinen Platz für einen selbst, sich da, in all dem, aufs Neue zu sehen. Home won’t let you stay, hab ich mal irgendwo gelesen und gemerkt.

    Es ist Zeit für rheinischen Sauerbraten vom Pferd.

    The Big Chill, am Wochenende. Aufs Angenehmste touched von dem Film. Freundschaft und Zärtlichkeit, Erotik von Freundschaft, vereint in einer Form von ergiebigen Traurigkeit über den Verlust von Zeit. Tolle kleine Szenen, die geschenkten Turnschuhe auf dem Frühstückstisch, die Home-Kamera-Sache, William Hurt nie so gut gesehen, die Idee, das fünf oder sechs Menschen, an einem Ort, eine eigene Welt kreieren, in der man dann für drei, vier Tage lebt.