BOCHUM BEI NACHT
Zu Behrangs Ausstellung nach Bochum, wo gelbes Laub die Strasse beleuchtet und in ihrer Strassenhaftigkeit abmildert, in Kulisse umwandelt; Schnee also nicht allein in diesem Effekt. Nennt man das nicht cottage-core? Fuck, ich glaub ich mags.
Alles wird mild und sanft, sogar das nicht gekühlte Fiege Pils schmeckt. Man schnorrt dutzende Zigaretten von einer kurdischen Chemikerin, unglaublich peinlich war mir das, aber sie sagte, sie kenne das, und man nahm noch eine–so peinlich also doch nicht. Und dann nachts auf dunkler Autobahn zurück, M. fährt. Die nächtliche Autobahn, schwarze Dünenwelt, in der die Lichtpunkte leben. Schemen von Bäumen hochragend, so aufrechte Ahnengeister, judging silently. Das ist doch die Mystik, oder nicht?
Neuartige Leuchtballons fielen mir auf, wie glühende Nester hingen sie da scheinbar im Nichts, gleißend grell brutalweiss, und einmal so eine Baumfront, direkt und von nah breitflächig angestrahlt mit Strahlern, ich dachte erst, das sei Qualm, oder Rauch, aber ich WUSSTE auch, das ist Quatsch, “Rauch”, und dann baut sich dieses Bild im Gehirn zu etwas Logischerem zusammen, bis dann wirklich die Erkenntnis einrastet: ja klar, Bäume natürlich. M. meinte David Lynch, ich dachte an eine Fotografie von Gregory Crewdson, und dann waren wir auch schon wieder vorbei. Die beiden anderen, hinten im Fond, dösten, gaben keinen Ton von sich bis Hammersmith Ehrenfeld.
JORDAN WOLFSON: People walk by acts of horror
every day on the street. When you see someone suffering on the street
and you don’t help them, you just walk by and you forget about it quite
quickly.
Ich mag ja Jordan Wolfsons Kunst. Aua. Wir glauben beide an eher konservative Formen, immer neu gefüllt.