• Mittwoch, 19.10.2022

    THE HORSES WE RIDE

    Die Seite von DAMAGED. Was sagt man da, ist das ein Blog, ein Magazin, ein Kultur-Polit-Gesellschafts-Portal, ein Substack? Ein Online-Magazine, ok. Les ich gern. Neuester Text: Does it matter that Contemporary Art doesn’t tell us about Society anymore?
    Ich denke: ich glaube trotzdem, ich versuchs. Und: worüber sonst? Und auch Abwesenheit ist ja Wesenheit. Ok, ich lass es mit den Heideggerchens. Ob ich das qua Natur KANN oder NICHT KANN, das übderdieGesellschaft, das sollen andere beschreiben.

    Heute früh aus sehr düster-kreativen Träumen erwacht. Draußen war es noch sehr dunkel. Nennt man das Solar-plexus-Gefühl der Scheingewissheit, als seien diese Dinge aus dem Träumen bereits als Wirklichkeit, als Geschehenes im Gedächtnis abgelegt eine depressive Krankheit? Was ist da der Stand? Ich bin mir ziemlich sicher, so ein verwandtes Gefühl bereits aus der Kindheit zu kennen. Und dennoch: ich würde sagen, ich bin eigentlich ein eher gutgelaunter Mensch. Oft zapfe ich genau diesen Gedanken an, die Gewissheit, dass ich das bin. Mich aus dem Schlamm zu ziehen, he who dives deep comes up muddy, murky waters, all das. Für mich gehört das einfach dazu, zu dem Deal, den wir alle eingehen. Darum, vielleicht, finde ich, sind mir viele Leute zu weich, wenn sie erste größere Widerstände spüren, und sich dann auf den Rücken legen und in aller Anderen Sphären reinheulen. Diese Haltung wiederum, leider, hält mich aber wahrscheinlich davon ab, in manchen Momenten zu sagen: Moment mal, jetzt brauch ich mal etwas mehr Unterstützung, Wohlwollen, Support. Ich denke an den schönen Satz: he died from encouragement.

    Die Sonne scheint jetzt, glaubt man’s.

  • Samstag, 15.10.2022

    KEIN JOURNAL AUSSER JOURNAL

    Die Morgen hier, sie riechen modrig, feucht und warm, kalter Stein von innen nass, nach Schimmel in den Kasematten. Ich machs Fenster auf zum Lüften, und wills eigentlich gleich wieder zu machen. Trete auf die Straße und komme mir unpassend gekleidet vor, und das mag ich garnicht. Also was ist los, Bucht im Westen, Mitte Oktober.

    Aus der Zwischenwelt des Medien-Realismus: den ersten Ehrenfelder Muezzinruf gestern konnte ich nicht hören, ich war zu weit weg, nämlich zuhause. Köln, so einige Medienkanäle, diskutiere heftig, ob man jetzt top oder bottom sei wegen der Chose. Ich glaube, Köln diskutiert null.

    Ich möchte mal wieder ein Tier streicheln. Aber welches?

  • Donnerstag, 13.10.2022

    VERDORBEN IST DER BLICK, DEN DIE STADT AUF MICH WIRFT

    Der Blick, den die Stadt auf mich wirft, ist verdorben. Ich kann seine Überspanntheit fühlen. Wie die des Muskels, der sich schräg durch meine linke Brust zieht, direkt unter dem Schlüsselbein, von den Liegestützen der letzten Wochen. Es macht irgendwie Spaß, mit den Fingern auf die Stelle zu drücken, genau zu wissen, wo der Schmerz liegt. Pars clavicularis–so klingt der cringe des Wissens. Ich will aber alles vergessen, sofort. Das ist die neue Sehnsucht, die ich habe.
    Der Blick, den ich auf die Stadt werfe, ist herablassend, verachtend, voller Kenntnis und Erfahrung, wie der auf einen Freund. Es stimmt ja wirklich: there’s no love without a little hate.

    Menschen kommen aus dem Museum. Ich kann sie alle sehen, und auch seh ich sie einzeln. Eine Frau um die 60 oder 70, groß, ein Oberteil aus Fleecestoff, vielleicht Patagonia, mein Hirn sagt Amerikanerin. Vorbei geht sie, in ihrer kleinen Gruppe, an dem jungen Asiaten, der vor dem Eingang Violine spielt. Leise, bescheiden, zaghaft fast. Asiatisch. Eine vorübergehende Frau hat zwei kleine Collie-Hunde an der Leine, und der eine ist fasziniert von dem violinespielenden Asiaten, seine Hundeneugier lässt Hals und Kopf in inimitable biological fashion hochfahrenso gehts mir durch den Kopfund das liegt alles tief, tief in seiner Helix begraben. Ich lebte gern in einem Kosmos, in der dieser kleine Hund Einsicht hat in die grundlegende Mathematik der Barockmusik, die der Asiate spielt. Länger hinschauen, auf nahezu alles, und die Finsternis löst sich auf.

    Hühnersuppe im Tantuni-Haus.

    Wall piece No 15. Was ich jetzt auch so langsam begreife: genauso wichtig wie Licht/Schatten ist Warm/Kalt.