• Dienstag, 30.8.2022

    CORPORATE FICTION

    79. Geburtstag R. Crumb.

    On Kawaras Telegramme: durch Niederschrift gültig gemachte Vergewisserung höchster Daseinsform (lebendig), sowohl nach innen als auch nach außen hin gerichtet, gedacht und angelegt und durch Zeugenschaft des Empfängers so echt wie die Idee von Geld, oder vielleicht doch eher als ein sich jeden Tag selbsterneuernder und selbstaktualisierender Ausdruck von Entsetzen: I AM STILL ALIVE.

    So denk ich, wenn ich den Schlüssel in der Stahltür drehe, die sich, wenn die Sonne lang genug ihre heißen Strahlen draufgeworfen hat, so verzieht, dass ich sie, wenn ich das Atelier zuschließe, unter lautem Knall und mit Schwung in den Rahmen zurückwuchten muss. I am still alive.

    Minijob/Teilzeit/Vollzeit
    sehr gerne Rentner

    Habe jetzt verstanden, dass wenn ich hier für einen Umbruch Enter plus Shift drücke, er nicht diesen Zwei-Zeilen-Sprung macht, sondern den normalen. Geil, stolz.

    Besuch von Jon im Atelier. Sprechen sprechen sprechen, und über diesen Weg aus dem Dunkel heraus ins Licht. Wenn nicht, auch nicht so schlimm. Irgendwer stellt immer Fragen, ohne auf eine Antwort zu hoffen.

  • Sonntag, 28.8.2022

    WIR HÜTEN EINE SCHWELLE

    Die Tropenhitze, das August-Startup 2022, ist verkauft in andere Erdteile, vorerst. Fracht für andere Sphären. Freitag und gestern lag kühle und feuchte Herbstluft als säuerlich riechender Schleier in der Luft, with a hint of Dünger, der ätzenden Süßlichkeit von Diarrhö. Wir werden auferstehen aus neuem Schlamm, aus derbem Kompost in einen neuen Winter hineingeboren. Hoffentlich wird er nicht cringe.

    Neulich sah ich eine Frau auf der Straße und dachte, woher kenn ich sie denn. Aber ich glaube, schon während ich mich das fragte, kannte das Gehirn die Antwort. Ich erinnerte, dass sie eine Studi-Kollegin war beim WDR, als ich dort das sog. studentische Jahr gearbeitet hatte. Papst und Weltjugendtag. Damals fand ich sie sehr süß und anziehend, ihr Gesicht, ihre schöne, anmutige Nase. Versucht hatte ich nie irgendwas bei ihr. Scham und Zurückhaltung haben bei mir Schäden hinterlassen, die ich den Rest meines Lebens nicht werde reparieren können. Wie ich sie da wiedersah, fand ich sie genauso schön wie damals. Das ist doch auch schön, oder?

    Gestern bei Lakshmi essen. Sie wirkte erschöpft und langsam, aber freundlich und süß wie immer. Die Inder haben übrigens wirklich die schönsten Kinder. Nicht wegen des Reims, sondern wegen der Kinder.

  • Mittwoch, 24.8.2022

    FIRE

    1 Spaghettieis, mehr hatte ich mir für heute nicht vorgenommen. Das war meine Aufgabe. Morgens schon Dinge “erledigt”, nahm ich mir für den Rest des Tages frei. Und so hing ich dann in Unterhose ab, las ein bisschen in einem Buch, des Geschmacks wegen, wie man sich ein Stück Kuchen gönnt. Draußen kam die Hitze in ihre Gänge. Dann döste ich etwas, nachdem ich amüsiert die Stellen überprüfte, die ich damals, als ich das Buch zuletzt gelesen hatte, meinte unterstreichen zu müssen. Am Telefon meinte Jon, man kann wirklich mal Of Mice and Men von Steinbeck lesen. Dann machte ich mir Mittagessen, Blumenkohl im Backofen. Später war mir nach einer Musik, die so ein bisschen die Unendlichkeit andeuten sollte. Die Wahl fiel auf Alice Coltrane und Joe Henderson, The Elements. Am späten Nachmittag aß ich dann das Spaghettieis, las dabei. Im Buch ging es auch um Hitze, das gefiel mir. Der Tisch, an dem ich saß, war mit Bierdeckeln vom Wackeln kuriert worden, und auf den Bierdeckeln stand Horse with no name, was ich rätselhaft fand. Dann war meine Mission getan. Ich drehte noch eine Runde. Einmal fuhr ein black dude in einem schwarzen Porsche mit offenem Verdeck vorbei. Sein Kennzeichen war BA-BY.