• Dienstag, 2.8.2022

    WO DAS WASSER ENTSPRINGT

    Steht man eben immer wieder bisschen nackig da, vor der Arbeit, vor der Sache, die man macht–mei, manchmal macht es auch so dermaßen Spaß, das merk ich hinterher, weil währenddessen ist allerfeinste, stundenlange ICHVERGESSENHEIT, das schönste Gefühl der Welt. Kein Durst und kein Hunger dringen in diese Welt. Und wenn ich mich dann auch noch dabei ertappe, beim sog. Materialkauf, wie ernst ich es nehme, dann könnte ich es mir fast selbst abkaufen, den Künstlerberuf. Aber da halte ich es eh wie dieses eine Intro von der DJ Koze-Platte, das sein Vater einspricht: auch ich bin froh, dass ich was Anständiges mache, und Künstler geworden bin, und nicht Klimaforscher oder FDP-Fraktionsvorsitzender oder so ein Blödsinn.

    In der Geisselstrasse, jemand hat da der auf die eine Hauswand gemalten schwarzen Katzensilhouette eine Sprechblase angefügt. Burn this city down, sagt die Katze.

    Hasret bleibt vielleicht doch im Tantuni Haus, deutete sie gestern an? Or did she? Sie fing wieder an damit, sie wolle was auf die Wand gemalt haben da. “Schwammkopf”, das sagt sie auch so funny. Dann fiel mir auf, sie will immer Kindermotive, und dann meinte ich zu ihr, Moment mal, hier sind doch nie Kinder eigentlich?! Glaube, sie wusste, ich hatte recht. Neulich fragte ich sie, wie ihre Kinder eigentlich heissen, und den Namen ihrer Tochter wollte sie mir auch gleich übersetzen: “Es bedeutet Wasserkeule”. Wie bitte, ein plumper Knüppel das kleine girl? Die Augen wurden groß, ihre. Meine wurden zu Schlitzen. Wir konnten uns auf “Wasserquelle” einigen dann.

    Daniel erzählt am Telefon aus dem Reha-Zentrum im Schwarzwald, Atemwegserkrankungen. In ihren Rollstühlen bilden bei Triebspannung die Patienten im begrünten Innenhof kleine Geschwader, zum Rauchen. Da bekommt man natürlich extrem gute Laune.

  • Sonntag, 31.7.2022

    ROBERT OPPENHEIMER MUSIKSCHULE

    Ein warmer Fön weht durch den Tag. Und weht auch durch mich. Macht so sensibel, oder nervös. Er lärmt und rumpelt, bewegt überall Gegenstände, über mir, auf der Dachterrasse, rauscht laut durch Fenster und durch Pflanzen, bis an den Rand meines Hirns.

    Ich habe nicht nur einen Nachbarn, der schlecht Gitarre spielt. Ich habe auch einen anderen, der schlecht Klavier spielt. Und manchmal ermutigen sie sich gegenseitig.

    P.S.: Lena Oberdorf für mich der neue Star der deutschen Frauen.

  • Donnerstag, 28.7.2022

    MECHTHILD VON MAGDEBURG

    Ich las etwas, auf dem Atelierboden liegend, um danach einen kleinen Powerschlaf einzulegen. Davor, heute Morgen, musste ich an die Stellen in dem Herrndorf-Tagebuch denken, mit den Anfällen, und wie er da diese Notizen macht, weil er kein Wort raus bekommt, die zertrümmerte Syntax usw, weiß nicht, warum ich daran denken musste. Jetzt lag ich da, ich las das, und da kam mir eine Idee, was ich ins Journal schreiben wollte-

    ich schreibs gleich auf- nach dem Schlaf- gute Idee geht nicht verloren-

    und jetzt lese ich die Stelle im Buch nochmal in der Hoffnung, es entzündet diese Idee nochmal, aber sie ist verloren, verlustig gegangen. Wie oft mache ich diesen Fehler? Immer wieder.

    Peter Neururer: “Ich weiß, was es heißt, tot zu sein”