CONTRE-JOUR
Den Tagesablauf hinzunotieren, als Abfolge auf einer Zeitleiste, das sagt nichts darüber aus, wie intensiv sich etwas abgespielt hat, ereignet hat, angefühlt hat, mit welcher Qualität von Aufmerksamkeit man sich etwas angenommen hat und nichts darüber, wie sehr etwas noch hineingreift, in andere Momente, in die späteren Tagesabschnitte, im Rückgriff oder als wie als Erinnerung, während man auf der Zeitleiste schon weiter ist. Es sagt nichts über den Impact. Den Durchmesser des Kraters. Was einen wirklich interessiert, einen angeht, das kommt ganz natürlich und sozusagen ungefragt wieder hoch, und dann ist es da, und es bedeutet einem: ich bin es, was dir etwas bedeutet.
Von Singer Sargent gibt es, obwohl er über 2000 paintings und Aquarelle hinterlassen hat, keine selbstverfassten Texte über seine Methode, oder das, was man Technik nennen würde. Fast ausschließlich in Briefen hat er darüber geschrieben, widerwillig, fast wie leicht genervt, aber nicht aus Überdruss genervt, eher so aus Nervosität, in dem Wissen, daß es absurd wäre, die Methode aufzulösen in Fragen wie: mit welchem Material soll wo und wie etwas aufgetragen werden. Ehemalige Schüler berichten, daß Sargent es dann einfach vorgemacht hatte, als sei ALL DAS für ihn nicht direkt formulierbar. An einer Stelle meint Sargent, sinngemäß: das Ziel ist ein gutes Bild, und ein gutes Bild kann das Produkt einer guten Methode sein, oder von no method at all.