• Dienstag, 19.7.2022

    KEVIN EX F.H.

    So stand es eben formatfüllend auf gleich zwei weiße Plakatwände geschrieben, in infantil mit Filzstift, Haltestelle Raiffeisenstrasse, ich sah es aus der Bahn heraus, in der mit mir eine fette, käsige Alte die ganze Zeit in ihr Telefon facetimte, die Freiheit nahm sie sich, und irgendwo in diesen überhitzten Landschaften sitzt ein anderer facetimender Clown in einer anderen Bahn und ist der Gesprächspartner der käsigen Fetten, und zusammen zertrümmern sie die Stille, die sonst in der Bahn herrschte. Von alldem ungestört döste ein black girl die ganze Fahrt über vor sich hin. Aber was war mit Kevin? Ist das für Kevin gedacht, dass er das liest und mal nachdenkt über seine performance? Für was steht F.H.? Mir fällt nur “Ficker Hurensohn” ein

    12:52h Temperatur hier 35 Grad, Temperatur Computer 40,5 Grad.

    Gestern abend wieder ein Samuraifilm. When The Last Sword is Drawn. Gefiel mir auch wieder wahnsinnig gut, bisher eigentlich alle. Am besten gefiel mir bisher das Takeshi Miike Remake von Hara-Kiri – Tod eines Samurai. Es sind eigentlich Filme über die kaum durchbrechbaren Strukturen eines feudalen Klassensystems. Und Liebe.

  • Montag, 18.7.2022

    MONUMENT FÜR DIE KURDISCHE FRAU

    Vor ungefähr zwei Wochen meinte Hasret vom Tantuni Haus Ehrenfeld zu mir, sie wird aufhören beim Tantuni Haus Ehrenfeld. Das traf mich hart, und unerwartet, sind doch Meryem und Hasret grade mit die wichtigsten Frauen in meinem Leben! Geschockt trat ich in den Abend hinaus. Warum bin ich so gern bei Hasret? Und was ist es mit dem Auftauchen und Verschwinden von den Weibern in meinem Leben? Wenn ich ins Tantuni Haus komme, fragt Hasret “kommst Du nur für Hallöchen oder hast du Hunger?”. Sie spricht meine Sprache einfach. Außerdem bereitet sie großartige Speisen zu. Ich meine, muss ich mehr erklären? Woher wusste sie das mit “Hallöchen”? Liebt sie Kippenberger, liest diese kurdische Powerfrau wohlmöglich Henscheid? Unwahrscheinlich. Umso schöner der Zauber, den ich nicht erklären kann. Darum bin ich traurig, wenn Hasret nicht mehr hier ist, im Tantuni Haus. Ich hasse es jetzt schon. Ich würde sie gerne einstellen, wenn mein sog. Atelierbetrieb groß genug ist, als meine Köchin. Auch darum müssen die Leute meine Kunst KAUFEN.

  • Freitag, 15.7.2022

    A PAINTING THAT’S COMPLETE CAN HAVE ALL KINDS OF EMPTY SPACES AROUND IT

    Das Tagebuch hier, es war mir FÜR DEN MOMENT entglitten, die Boje war ganz an den Rand meiner Aufmerksamkeiten getrieben, und dort schwappte sie einsam in den Wellen, auch wenn es niemand sah. Ich dachte nicht dran, und es erinnerte mich auch nicht an sich. Gestern Morgen dann, auf dem Weg ins Atelier, von einem langsam vorbeifahrenden Elektroauto ans Schreiben erinnert. Eine Tonart surrte klar und hell aus dem Fahrgeräusch heraus, und als es langsamer fuhr, modulierte der Ton, eine kleine Senke, wie ein pitch bend, und dann wieder nach oben, und das Gummi der Reifen knusperte über den Asphalt.

    Normalität der Normalerei: in gut drei Stunden die Korrekturen an der Crane Flower gemacht, deren Notwendigkeit ich erst immer erkenne, wenn ich weg bin vom Bild, weit weg, nachts-zuhause-kurz vorm Schlafengehen-weit-weg, das ist das etwas umständliche, dass es nur so geht, und nicht, wenn man davor steht, in der Laune ist. Kein Interesse an Bildern, die nur existieren, weil sie angeschaut werden sollen.

    Kunst von Kollektiven. Ja, kommt drauf an ne.

    E. kam zum Tagesbesuch. Laufen durch die Stadt, und dabei mit dem Finger draufzeigen, wie der Arzt bei der Visite. Das kleine weiße alte Hündchen bei der Vietnamesin heißt Jessy, sie legt sich da, wo man sitzt, dazu, als gehöre sie zu einem. E. macht bisschen Werbung für Ransmayr, als wir beim Kokser-Cafe sitzen, und ich schaue dabei einem 60jährigen Edelproll nach Kölner Art auf seine Nackentättowierung, die Haut ledrig und extrem gebräunt aus allerlei falschen Gründen. Danach sitzen wir im Rathenau-Park, und dort war zu beobachten, wie die Leute um etwas herum soziale Begegnungen konstruieren, um Babies oder um Hunde herum, die währenddessen im Staub herumtollen, sich vorsichtig in ihre Schnauzen beißen. Die Zusammensetzung dieser Hundekreise, das sind oft so Sozialmonde des Planeten Alkoholismus oder anderer Schadens-Hobbies, hochdiverse Grüppchen, da gibt so ein echter ranziger Assel-Punk einem super cleanen Typen vom Kaliber migrantischer Rapper einen fistbump und man fragt sich: woher kennen die sich, wie ist da die Verbindung entstanden?

    Wieder später sitzen E. und ich auf dem Ebertplatz, auf einer dieser Mäuerchen am Rand, Wetter ist gut, Uhrzeit günstig, viel los. Der Ebertplatz ist ja wirklich unser Görlitzer Park, links eine Kundgebung zu Julian Assange, in der Mitte Gastronomie aus einem Schiffscontainer mit Liegestühlen, rechts die losen Gruppen und Arrangements von Leuten, Paare, Kinder, Africans, Flyerverteiler, Kaputte und Richtigkaputte, junge Leute in Künstler-Uniform. “Wie zwei Oppas” wir beide, sagt E. gutgelaunt, wir rauchen seine Camel-Zigaretten dabei.