A PAINTING THAT’S COMPLETE CAN HAVE ALL KINDS OF EMPTY SPACES AROUND IT
Das Tagebuch hier, es war mir FÜR DEN MOMENT entglitten, die Boje war ganz an den Rand meiner Aufmerksamkeiten getrieben, und dort schwappte sie einsam in den Wellen, auch wenn es niemand sah. Ich dachte nicht dran, und es erinnerte mich auch nicht an sich. Gestern Morgen dann, auf dem Weg ins Atelier, von einem langsam vorbeifahrenden Elektroauto ans Schreiben erinnert. Eine Tonart surrte klar und hell aus dem Fahrgeräusch heraus, und als es langsamer fuhr, modulierte der Ton, eine kleine Senke, wie ein pitch bend, und dann wieder nach oben, und das Gummi der Reifen knusperte über den Asphalt.
Normalität der Normalerei: in gut drei Stunden die Korrekturen an der Crane Flower gemacht, deren Notwendigkeit ich erst immer erkenne, wenn ich weg bin vom Bild, weit weg, nachts-zuhause-kurz vorm Schlafengehen-weit-weg, das ist das etwas umständliche, dass es nur so geht, und nicht, wenn man davor steht, in der Laune ist. Kein Interesse an Bildern, die nur existieren, weil sie angeschaut werden sollen.
Kunst von Kollektiven. Ja, kommt drauf an ne.
E. kam zum Tagesbesuch. Laufen durch die Stadt, und dabei mit dem Finger draufzeigen, wie der Arzt bei der Visite. Das kleine weiße alte Hündchen bei der Vietnamesin heißt Jessy, sie legt sich da, wo man sitzt, dazu, als gehöre sie zu einem. E. macht bisschen Werbung für Ransmayr, als wir beim Kokser-Cafe sitzen, und ich schaue dabei einem 60jährigen Edelproll nach Kölner Art auf seine Nackentättowierung, die Haut ledrig und extrem gebräunt aus allerlei falschen Gründen. Danach sitzen wir im Rathenau-Park, und dort war zu beobachten, wie die Leute um etwas herum soziale Begegnungen konstruieren, um Babies oder um Hunde herum, die währenddessen im Staub herumtollen, sich vorsichtig in ihre Schnauzen beißen. Die Zusammensetzung dieser Hundekreise, das sind oft so Sozialmonde des Planeten Alkoholismus oder anderer Schadens-Hobbies, hochdiverse Grüppchen, da gibt so ein echter ranziger Assel-Punk einem super cleanen Typen vom Kaliber migrantischer Rapper einen fistbump und man fragt sich: woher kennen die sich, wie ist da die Verbindung entstanden?
Wieder später sitzen E. und ich auf dem Ebertplatz, auf einer dieser Mäuerchen am Rand, Wetter ist gut, Uhrzeit günstig, viel los. Der Ebertplatz ist ja wirklich unser Görlitzer Park, links eine Kundgebung zu Julian Assange, in der Mitte Gastronomie aus einem Schiffscontainer mit Liegestühlen, rechts die losen Gruppen und Arrangements von Leuten, Paare, Kinder, Africans, Flyerverteiler, Kaputte und Richtigkaputte, junge Leute in Künstler-Uniform. “Wie zwei Oppas” wir beide, sagt E. gutgelaunt, wir rauchen seine Camel-Zigaretten dabei.