• Sonntag, 31.7.2022

    ROBERT OPPENHEIMER MUSIKSCHULE

    Ein warmer Fön weht durch den Tag. Und weht auch durch mich. Macht so sensibel, oder nervös. Er lärmt und rumpelt, bewegt überall Gegenstände, über mir, auf der Dachterrasse, rauscht laut durch Fenster und durch Pflanzen, bis an den Rand meines Hirns.

    Ich habe nicht nur einen Nachbarn, der schlecht Gitarre spielt. Ich habe auch einen anderen, der schlecht Klavier spielt. Und manchmal ermutigen sie sich gegenseitig.

    P.S.: Lena Oberdorf für mich der neue Star der deutschen Frauen.

  • Donnerstag, 28.7.2022

    MECHTHILD VON MAGDEBURG

    Ich las etwas, auf dem Atelierboden liegend, um danach einen kleinen Powerschlaf einzulegen. Davor, heute Morgen, musste ich an die Stellen in dem Herrndorf-Tagebuch denken, mit den Anfällen, und wie er da diese Notizen macht, weil er kein Wort raus bekommt, die zertrümmerte Syntax usw, weiß nicht, warum ich daran denken musste. Jetzt lag ich da, ich las das, und da kam mir eine Idee, was ich ins Journal schreiben wollte-

    ich schreibs gleich auf- nach dem Schlaf- gute Idee geht nicht verloren-

    und jetzt lese ich die Stelle im Buch nochmal in der Hoffnung, es entzündet diese Idee nochmal, aber sie ist verloren, verlustig gegangen. Wie oft mache ich diesen Fehler? Immer wieder.

    Peter Neururer: “Ich weiß, was es heißt, tot zu sein”

  • Mittwoch, 27.7.2022

    CONTRE-JOUR

    Den Tagesablauf hinzunotieren, als Abfolge auf einer Zeitleiste, das sagt nichts darüber aus, wie intensiv sich etwas abgespielt hat, ereignet hat, angefühlt hat, mit welcher Qualität von Aufmerksamkeit man sich etwas angenommen hat und nichts darüber, wie sehr etwas noch hineingreift, in andere Momente, in die späteren Tagesabschnitte, im Rückgriff oder als wie als Erinnerung, während man auf der Zeitleiste schon weiter ist. Es sagt nichts über den Impact. Den Durchmesser des Kraters. Was einen wirklich interessiert, einen angeht, das kommt ganz natürlich und sozusagen ungefragt wieder hoch, und dann ist es da, und es bedeutet einem: ich bin es, was dir etwas bedeutet.

    Von Singer Sargent gibt es, obwohl er über 2000 paintings und Aquarelle hinterlassen hat, keine selbstverfassten Texte über seine Methode, oder das, was man Technik nennen würde. Fast ausschließlich in Briefen hat er darüber geschrieben, widerwillig, fast wie leicht genervt, aber nicht aus Überdruss genervt, eher so aus Nervosität, in dem Wissen, daß es absurd wäre, die Methode aufzulösen in Fragen wie: mit welchem Material soll wo und wie etwas aufgetragen werden. Ehemalige Schüler berichten, daß Sargent es dann einfach vorgemacht hatte, als sei ALL DAS für ihn nicht direkt formulierbar. An einer Stelle meint Sargent, sinngemäß: das Ziel ist ein gutes Bild, und ein gutes Bild kann das Produkt einer guten Methode sein, oder von no method at all.