• Montag, 18.7.2022

    MONUMENT FÜR DIE KURDISCHE FRAU

    Vor ungefähr zwei Wochen meinte Hasret vom Tantuni Haus Ehrenfeld zu mir, sie wird aufhören beim Tantuni Haus Ehrenfeld. Das traf mich hart, und unerwartet, sind doch Meryem und Hasret grade mit die wichtigsten Frauen in meinem Leben! Geschockt trat ich in den Abend hinaus. Warum bin ich so gern bei Hasret? Und was ist es mit dem Auftauchen und Verschwinden von den Weibern in meinem Leben? Wenn ich ins Tantuni Haus komme, fragt Hasret “kommst Du nur für Hallöchen oder hast du Hunger?”. Sie spricht meine Sprache einfach. Außerdem bereitet sie großartige Speisen zu. Ich meine, muss ich mehr erklären? Woher wusste sie das mit “Hallöchen”? Liebt sie Kippenberger, liest diese kurdische Powerfrau wohlmöglich Henscheid? Unwahrscheinlich. Umso schöner der Zauber, den ich nicht erklären kann. Darum bin ich traurig, wenn Hasret nicht mehr hier ist, im Tantuni Haus. Ich hasse es jetzt schon. Ich würde sie gerne einstellen, wenn mein sog. Atelierbetrieb groß genug ist, als meine Köchin. Auch darum müssen die Leute meine Kunst KAUFEN.

  • Freitag, 15.7.2022

    A PAINTING THAT’S COMPLETE CAN HAVE ALL KINDS OF EMPTY SPACES AROUND IT

    Das Tagebuch hier, es war mir FÜR DEN MOMENT entglitten, die Boje war ganz an den Rand meiner Aufmerksamkeiten getrieben, und dort schwappte sie einsam in den Wellen, auch wenn es niemand sah. Ich dachte nicht dran, und es erinnerte mich auch nicht an sich. Gestern Morgen dann, auf dem Weg ins Atelier, von einem langsam vorbeifahrenden Elektroauto ans Schreiben erinnert. Eine Tonart surrte klar und hell aus dem Fahrgeräusch heraus, und als es langsamer fuhr, modulierte der Ton, eine kleine Senke, wie ein pitch bend, und dann wieder nach oben, und das Gummi der Reifen knusperte über den Asphalt.

    Normalität der Normalerei: in gut drei Stunden die Korrekturen an der Crane Flower gemacht, deren Notwendigkeit ich erst immer erkenne, wenn ich weg bin vom Bild, weit weg, nachts-zuhause-kurz vorm Schlafengehen-weit-weg, das ist das etwas umständliche, dass es nur so geht, und nicht, wenn man davor steht, in der Laune ist. Kein Interesse an Bildern, die nur existieren, weil sie angeschaut werden sollen.

    Kunst von Kollektiven. Ja, kommt drauf an ne.

    E. kam zum Tagesbesuch. Laufen durch die Stadt, und dabei mit dem Finger draufzeigen, wie der Arzt bei der Visite. Das kleine weiße alte Hündchen bei der Vietnamesin heißt Jessy, sie legt sich da, wo man sitzt, dazu, als gehöre sie zu einem. E. macht bisschen Werbung für Ransmayr, als wir beim Kokser-Cafe sitzen, und ich schaue dabei einem 60jährigen Edelproll nach Kölner Art auf seine Nackentättowierung, die Haut ledrig und extrem gebräunt aus allerlei falschen Gründen. Danach sitzen wir im Rathenau-Park, und dort war zu beobachten, wie die Leute um etwas herum soziale Begegnungen konstruieren, um Babies oder um Hunde herum, die währenddessen im Staub herumtollen, sich vorsichtig in ihre Schnauzen beißen. Die Zusammensetzung dieser Hundekreise, das sind oft so Sozialmonde des Planeten Alkoholismus oder anderer Schadens-Hobbies, hochdiverse Grüppchen, da gibt so ein echter ranziger Assel-Punk einem super cleanen Typen vom Kaliber migrantischer Rapper einen fistbump und man fragt sich: woher kennen die sich, wie ist da die Verbindung entstanden?

    Wieder später sitzen E. und ich auf dem Ebertplatz, auf einer dieser Mäuerchen am Rand, Wetter ist gut, Uhrzeit günstig, viel los. Der Ebertplatz ist ja wirklich unser Görlitzer Park, links eine Kundgebung zu Julian Assange, in der Mitte Gastronomie aus einem Schiffscontainer mit Liegestühlen, rechts die losen Gruppen und Arrangements von Leuten, Paare, Kinder, Africans, Flyerverteiler, Kaputte und Richtigkaputte, junge Leute in Künstler-Uniform. “Wie zwei Oppas” wir beide, sagt E. gutgelaunt, wir rauchen seine Camel-Zigaretten dabei.

  • Mittwoch, 6.7.2022

    STÜCK MELONE

    Seit gestern steckt mein Kopf hauptsächlich in einem Nebel, ich bin halbmüde, halbwach, halbklar und halbbeschäftigt. Ein Power-Nickerchen gestern brachte keine Abhilfe, es geht einfach direkt weiter mit dem Zustand. Wetter? Ich hab keine Ahnung, ob das stimmt, aber was stimmt, ist, daß sich das Wetter seit zwei Tagen nicht so recht entscheiden kann, was es nun will, sein will, und bei solchen Tagen hauts mich oft raus, so ist es zu beobachten. Heute Morgen beim Rühreifrühstück mit Lukas, Lukas so “und da hab ich mich testen lassen”, und da fiel mir überhaupt ein: mei, vielleicht hab I a Coronerl jetzta. Da war ich gar nicht drauf gekommen, auf das Corona-Ding. Haha. Also bin ich eben zum 3-Euro-Testen, aber das Ergebnis war negativ. Ich bin vielleicht einfach nur durch, müd, vielleicht sogar reif für das, was die Menschen “Urlaub” nennen. Jetzt hängen hier wieder so Wolken mit graulackierten Bäuchen, und es ist so ein Zwischen-etwas, warm und kühl gleichzeitig, höchst neurotisch und volatil und unklar und ich möchte nur liegen und Samuraifilme schauen. Was mich jetzt beleben könnte, wäre so eine extreme Fremdheit, ich müsste jetzt auf einmal auf Ibiza sein, mitten unter so langweiligen Gestörten, und ich würd dann so Urlaub machen, um diese Leute herum, so ganz demonstrativ und bisschen doof mit Buch, Kaffeechen, früh ins Bett, no drugs, und die bloße physische Nähe dieser Leute und Umgebung würde mir schon reichen, als würden die stellvertreterartig da für mich “mitfeiern”. Ich muss nur sitzen und gähnen und meine Poren bisschen von der Sonne bescheinen lassen, Tintenfische essen, und den streunenden Kätzchen Namen von Mafiatypen geben, zB “Fat Tony”.