• Donnerstag, 30.6.2022

    I BELIEVE I CAN FLY

    “Bist du schon am tätowieren?”

    Heute wird es wieder heiß, das spür ich schon, wie die Morgensonne auf meine Füße und Waden fällt, welches Potenzial da in den Strahlen steckt.

    Im Laden waren am Dienstag wieder so zwei junge Girls, das war so süß, ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll, ohne, dass direkt so eine etwas stumpfe Note da mit reinkommt. Zwei blonde Mädchen, ich schätze puh 16? Die eine sehr groß, die andere winzig, angenehme Erscheinungen, aufgeräumt und würdevoll in ihrer Zurückhaltung, wollten erst keine Hilfe, dann aber doch, die Kleine wollte wissen, wo “französische Platten” sind, die Große sagte quasi kein Wort, kaufte dann eine Billie Eilish Platte, was ich auch so süß fand. Ich meine, genau für die ist doch diese Billie Eilish Musik, oder nicht? Ob die beiden Mädchen ihre Platten zusammen hören? Was denken und fühlen die, wenn Billie Eilish so singt über dies und das? Ich würde es so gerne mal wissen, selber mal Mädchen sein in so einem Moment. Warum geht das nicht, es nervt.

  • Mittwoch, 29.6.2022

    “ZWIELICHT DER ERINNERUNG”

    Über Kultur als Kultur, oder so ähnlich. Oder anders: ich weiß schon, warum ich mit dem Öffentlich-Rechtlichen Probleme habe. Deren Problem ist nämlich, daß deren Ästhetik untot ist, deren Idee von Form, wie etwas zu sein hat, auszusehen hat, sich anzuhören hat. Kurz formuliert: die sind geisteskrank. Neulich beim Interview/Feature über den Maler Luc Tuymans, aus dem sog. WDR Feature Depot, war es wieder so. Es ist so geil klischeemässig überzeichnet, so eine unendlich muffige und selbstgefällige Brechttheaterscheiße, ich stand mit offenem Mündchen da und dachte das gibt es nicht. Die sind so fett und satt und unantastbar, dass sie ganz locker und wahrscheinlich noch stolz ihre eigene Persiflage als das Original ausgeben. Abuse of power comes as Rundfunk. Diese Verachtung, die das ausstrahlt, durch Unterforderung. Darüber selbst müsste man ein kleines Hörspiel machen, so eine Montage aus Redaktionskonferenz, Schnittraum, Tonstudio, Sprecherkabine, dabei mit so reinmontierten Episoden aus den jeweiligen Berufsleben zB der Schauspieler, die dann fürs Feature in so Todesfuge-Stimmlage (egal, was das Thema ist) die Texte ins Mikro sprechen müssen, so als Ansage, dass es hier um Kultur geht, für unsere Hörerschaft, nachdem sie am Wochenende noch auf irgendeiner Landesbühne ihre deutsche Schauspieltradition aufgeführt haben, “Alt und Queer” von Fontane, irgendwas aus dem Kanon. Wenn dann fast eine Stunde rum ist, nach all dem Einsatz  dieser typischen Bauteile, Zwölftonmusik, Diktion und Phrasing der Sprechertexte, Deutsches Elend, ist man so besudelt und dumm und wirklich erstarrt von der Leere der Form, daß man sich sofort mit Hitlerwitzen wieder in die Normalität bringen muss, damit man wieder Liebe und Zärtlichkeit wahrnimmt, den Duft der Blumen nach dem Regenschauer usw. Der Realist Thomas Bernhard comes to mind.

  • Montag, 27.6.2022

    MÜSSEN WOHLSTAND ABBAUEN

    Wieder im Tantuni-Haus. Eben fragte mich Hasret, die eine von den beiden (Meryem ist übrigens im Urlaub), ob sie mich trotzdem “Félipe” nennen darf? Ich sagte ja natürlich. Jetzt bin ich auch Félipe, offiziell.

    First time reaction (wie das Youtube-Genre): Der Große Gatsby wird erst ab so Seite 50 interessant, wenn dann auch wirklich Gatsby selbst auftaucht. Dann ist es wie Dostojewski oder Henscheid, alle schwafeln los in ihren Verblendungszusammenhängen und es ist sehr sehr lustig. Eigentlich wie heutzutage auch, nur mit mehr Humor.