• Samstag, 25.6.2022

    IDIOT TAX AND ENLIGHTENMENT

    Mittwochmorgen öffnete ich gutgelaunt meinen Email-Posteingang. Eine Mail war von Westlotto. Auszahlung auf Ihr Bankkonto vorgenommen. Ich loggte mich in meinen Lotto-Account ein, um nachzuschauen. Es ging um die Eurojackpot-Ziehung von Dienstagabend. Ich sah bei mir ziemlich viele grüne Ziffern. Grüne Ziffern bedeuten Übereinstimmung. Kurz dachte ich: oh oh. Ich zählte vier richtige Zahlen + eine richtige sog. Eurozahl. Das ist viel. Kurz dachte ich: wirklich oh oh. Ich musste die Tabelle mit den Gewinnklassen heranziehen. Es stellte sich heraus, dass ich es hier mit einem sehr großen FAST zu tun hatte. Eine kleine Zahl fehlte mir für einen 900.000 Euro Lottogewinn, steuerfrei. Ich war aber nicht geknickt deswegen, ganz im Gegenteil. Ich fand, es war ein ziemlich guter Gag, einer, der mir auch auf mysteriöse Weise Hoffnung gab. Einer, der mich näher an etwas heranrückte. Ich fühlte mich ermutigt. Mein Gewinn waren außerdem 264,00 Euro.

  • Dienstag, 21.6.22

    MEZZANIN

    Kein Zweifel, daß ich besonders bin. Ich entwickle nur Fähigkeiten, mit denen sich selbst im Wirtschaftsliberalismus heutiger Prägung kein Profit machen lässt. Dafür, glaube ich, beherrsche ich den power nap wie vielleicht nur wenige. Ein Tauchgang in eine verlockende Dunkelheit, gehüllt in mein eigenes Neopren. Es scheint, als kenne ich die Tiefen genau, in die ich vordringen darf. Ich schaue mich ständig um, in die mich allumgebende Schwärze, aber ich bin frei von Befürchtungen.
    Der Schlaf der Vernunft erschafft Monster, so schrieb mal ein Spanier unter eine Zeichnung. Lang ist das her. Dann zieht es mich nach oben, ich spüre den formbaren Körper des Ozeans ganz eng an mir vorbei rasen, und dann bin ich wieder wach. Ein paar Sekunden später klingelt der Timer meines iPhones.

  • Sonntag, 19.6.2022

    RAUCHEN ERHÖHT DAS RISIKO ZU ERBLINDEN

    Ich bin geflüchtet, aus dem Haus, in dem meine Wohnung sich befindet. Andere ziehen raus, um zu suchen de Gold. Ich suche nur Ruhe. Mein Gold.

    Und die Nähe der Tiere.

    Jetzt im Garten, und blicke aufs Vogelhaus, in das ich eben Futter nachgefüllt habe. Die Hitze, sie ist weitergezogen, ein leichter Wind geht, er bringt Sauerstoff mit sich. Gestern wie in öligen, heißen Dampf gehüllt. Den Vögeln schau ich gerne zu, wie sie da hektisch herumturnen, oder im Anflug auf den Bambus, wo sie ihre winzigen runden Körper auf den zarten Ästen parken –
    I guess I’m old that way. Grade fielen ungelogen zehn Regentropfen herab, dann wars vorbei. Das zählt trotzdem.

    Heute Morgen habe ich noch, bevor der Neanderthaler-Show-Act meiner absolut degenerierten Nachbarn losging, die Duchamp-Biografie auslesen können, und vielleicht, so meinte ich noch Freitagnacht zu Johannes, als wir auf der Bank vom Tauchclub, direkt neben der Cocktailbar, Johannes’ Afri-Zigaretten rauchten und unsere Negronis tranken, die ich, weil sie dorthin nicht bedienen dürfen, offiziell, an der Demarkationslinie abholen musste, und zum Kellner meinte, ist ja wie Gefangenenaustausch DDR hier, und ich meinte also zu Johannes, man könnt ja vielleicht zusammen nach Frankfurt zur Duchamp-Ausstellung, ich freu mich schon drauf, und dann rauchte man vor dem MMK noch eben eine Zigarette, und die ließe uns erblinden, und dann ginge man als Blinde in diese Duchamp-Ausstellung, und darüber schreib ich dann ein Buch, und das gewinnt dann den Büchner-Preis.