“ZWIELICHT DER ERINNERUNG”
Über Kultur als Kultur, oder so ähnlich. Oder anders: ich weiß schon, warum ich mit dem Öffentlich-Rechtlichen Probleme habe. Deren Problem ist nämlich, daß deren Ästhetik untot ist, deren Idee von Form, wie etwas zu sein hat, auszusehen hat, sich anzuhören hat. Kurz formuliert: die sind geisteskrank. Neulich beim Interview/Feature über den Maler Luc Tuymans, aus dem sog. WDR Feature Depot, war es wieder so. Es ist so geil klischeemässig überzeichnet, so eine unendlich muffige und selbstgefällige Brechttheaterscheiße, ich stand mit offenem Mündchen da und dachte das gibt es nicht. Die sind so fett und satt und unantastbar, dass sie ganz locker und wahrscheinlich noch stolz ihre eigene Persiflage als das Original ausgeben. Abuse of power comes as Rundfunk. Diese Verachtung, die das ausstrahlt, durch Unterforderung. Darüber selbst müsste man ein kleines Hörspiel machen, so eine Montage aus Redaktionskonferenz, Schnittraum, Tonstudio, Sprecherkabine, dabei mit so reinmontierten Episoden aus den jeweiligen Berufsleben zB der Schauspieler, die dann fürs Feature in so Todesfuge-Stimmlage (egal, was das Thema ist) die Texte ins Mikro sprechen müssen, so als Ansage, dass es hier um Kultur geht, für unsere Hörerschaft, nachdem sie am Wochenende noch auf irgendeiner Landesbühne ihre deutsche Schauspieltradition aufgeführt haben, “Alt und Queer” von Fontane, irgendwas aus dem Kanon. Wenn dann fast eine Stunde rum ist, nach all dem Einsatz dieser typischen Bauteile, Zwölftonmusik, Diktion und Phrasing der Sprechertexte, Deutsches Elend, ist man so besudelt und dumm und wirklich erstarrt von der Leere der Form, daß man sich sofort mit Hitlerwitzen wieder in die Normalität bringen muss, damit man wieder Liebe und Zärtlichkeit wahrnimmt, den Duft der Blumen nach dem Regenschauer usw. Der Realist Thomas Bernhard comes to mind.