• Dienstag, 21.6.22

    MEZZANIN

    Kein Zweifel, daß ich besonders bin. Ich entwickle nur Fähigkeiten, mit denen sich selbst im Wirtschaftsliberalismus heutiger Prägung kein Profit machen lässt. Dafür, glaube ich, beherrsche ich den power nap wie vielleicht nur wenige. Ein Tauchgang in eine verlockende Dunkelheit, gehüllt in mein eigenes Neopren. Es scheint, als kenne ich die Tiefen genau, in die ich vordringen darf. Ich schaue mich ständig um, in die mich allumgebende Schwärze, aber ich bin frei von Befürchtungen.
    Der Schlaf der Vernunft erschafft Monster, so schrieb mal ein Spanier unter eine Zeichnung. Lang ist das her. Dann zieht es mich nach oben, ich spüre den formbaren Körper des Ozeans ganz eng an mir vorbei rasen, und dann bin ich wieder wach. Ein paar Sekunden später klingelt der Timer meines iPhones.

  • Sonntag, 19.6.2022

    RAUCHEN ERHÖHT DAS RISIKO ZU ERBLINDEN

    Ich bin geflüchtet, aus dem Haus, in dem meine Wohnung sich befindet. Andere ziehen raus, um zu suchen de Gold. Ich suche nur Ruhe. Mein Gold.

    Und die Nähe der Tiere.

    Jetzt im Garten, und blicke aufs Vogelhaus, in das ich eben Futter nachgefüllt habe. Die Hitze, sie ist weitergezogen, ein leichter Wind geht, er bringt Sauerstoff mit sich. Gestern wie in öligen, heißen Dampf gehüllt. Den Vögeln schau ich gerne zu, wie sie da hektisch herumturnen, oder im Anflug auf den Bambus, wo sie ihre winzigen runden Körper auf den zarten Ästen parken –
    I guess I’m old that way. Grade fielen ungelogen zehn Regentropfen herab, dann wars vorbei. Das zählt trotzdem.

    Heute Morgen habe ich noch, bevor der Neanderthaler-Show-Act meiner absolut degenerierten Nachbarn losging, die Duchamp-Biografie auslesen können, und vielleicht, so meinte ich noch Freitagnacht zu Johannes, als wir auf der Bank vom Tauchclub, direkt neben der Cocktailbar, Johannes’ Afri-Zigaretten rauchten und unsere Negronis tranken, die ich, weil sie dorthin nicht bedienen dürfen, offiziell, an der Demarkationslinie abholen musste, und zum Kellner meinte, ist ja wie Gefangenenaustausch DDR hier, und ich meinte also zu Johannes, man könnt ja vielleicht zusammen nach Frankfurt zur Duchamp-Ausstellung, ich freu mich schon drauf, und dann rauchte man vor dem MMK noch eben eine Zigarette, und die ließe uns erblinden, und dann ginge man als Blinde in diese Duchamp-Ausstellung, und darüber schreib ich dann ein Buch, und das gewinnt dann den Büchner-Preis.

  • Mittwoch, 15.6.2022

    SUMMERTIME ABER LIVING NICHT SO EASY

    Selbst aufgezwungene, aus verdächtigen Arealen des Kopfes kommende, ruckartig ins Bewusstsein sich drängelnde Überlegungen zu den Praktiken der Produktion, zum sog. Prozess: grade nicht so schön. Es mag ja im Prinzip gut sein, sich diese Fragen hin und wieder zu stellen, aber grade, da habe ich nicht die allgemeine Grundsolidität zu. Es müsste auch anders “kommen”, denn ich spüre schon eine Tendenz in den Fragen selbst (warum diese Brutalität?), als sei diese Art des Nachdenkens mit Pestiziden belastet. Und dann neigt sich alles halbwegs Offene, Unklare ins Negative, gegen mich selbst. Resultat ist eine Unsicherheit, die in eine Art von Sprunghaftigkeit zur Folge hat. Wahrscheinlich ist es empfunden schlimmer, als es sich in den tatsächlichen Bewegungen und Dingen, die ich tue, zeigte, aber trotzdem: wie sagt man heute: problematisch. Diesen gar nicht mal so hohen Gipfel des Selbstvertrauens wieder erklimmen, zumindest das Plateau. Man ist eben nicht in Gänze eine Unit of one.

    Sogenannte schlechte Gewohnheiten, des Geistes oder des Körpers, immer lauern sie im Grase wie Raubtiere, die Mäuler feucht mit Gift.