• Donnerstag, 12.5.2022

    PORTABLES DUNKELHEITS-SZENARIO, Teil 1

    Durch die Gitterstäbe einer Kleintiertransportbox, die eine Frau eben aus dem Hauptbahnhof trug, sah ich kurz die lagunenblauen Augen einer Siamkatze. In den Augen ein Suchen. Sie schimmerten auf, da in der eigenen kleinen tragbaren Dunkelheit, die in der Box herrschte, wie in jedem Raum eine eigene Dunkelheit möglich ist. Egal, wie sehr die Sonne scheint, sie prahlt mit ihrem Licht, in diesen Tagen–jemals gar.

    Ich ließ mir, endlich konnte ich mal rechtzeitig daran denken, das The Technique of Velázquez Buch in der Museumsbibliothek bereitlegen. Es liegt hier neben mir. Yes, I DO paint. tbc.

  • Dienstag, 10.5.2022

    PAROLES, PAROLES, PAROLES

    Erster Sommertag gestern. Nachts noch die Wärme im Asphalt gespeichert, Leute sitzen in T-Shirts noch draußen. In manchen Wohnungen extrem hell, alle Lampen an. Warum? Foucault in dem Manet-Büchlein über die Mauer in Die Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko (1868):

    “eine große Mauer, die nichts anderes als die Verdopplung der Leinwand selbst ist.”

    Ja, genau-schön, daß der Michel mir das hier so liefert. Darum male ich ja diese kleinen Wall pieces, ich mal die Leinwand selbst, weil ich durchatmen muss, bei all dem figurativ-naiv-narrativen Overload. Müssen alle mal durchatmen.

    Außerdem: lesen in Brian Enos Tagebuch und in Bill Copleys Porträt des Künstlers als junger Händler.

    10,60€ im Lotto gewonnen.

    Inflation Kunstbedarf: für die kleine Leinwand, 30×40 cm, bezahlte ich gestern bei Tube 13,99€. Vor zwei Monaten kostete die noch 8,99€.

  • Sonntag, 8.5.2022

    ICH SOLL AUCH LEBEN

    Bevor ich nach Karlsruhe weiter musste, war ich morgens bei strahlender Sonne noch in die Ettlinger Altstadt, einen Kaffee und ein Croissant verhaften. An der Alb lang, die zwar klein, aber leidenschaftlich dahinfloß und schäumte, und so geil nach moosiger Feuchtigkeit roch, direkt in den sich aufwärmenden Tag hinein. Go smell the fucking roses. Vorbei an einem großen alten Holztor, das ich mir so, wie als painting, hinhängen würde, vorbei an Johannes Nepomuk im Sternenkranze auf einer der kleinen Brücken, die einen ins Zentrum der Altstadt führen. Da saß ich dann bei allerblaustem Himmel auf so einem Pflastersteinmarktplatz, Brunnen und alles, rechts das Ettlinger Schloss, badisch oder badensisch sprechende Menschen um mich herum, und das Non-showing von großstädtischem Wahnsinn und kranker Scheiße war auf diese unrelativierbare Art schön und wohltuend. Das Dröhnen schien fern, ferner noch. Am Nebentisch sprach ein erwachsener Mann auf angenehm erwachsene Art mit seinen jungen Töchtern, die eine meinte, sie wähle Französisch ab, das finde sie “langweilig”. Whatta Queen! Zu mir an den Tisch setzte sich ein Mann und aß ein Lachsbrötchen. Warum war ich nicht auf die Idee mit dem Lachsbrötchen gekommen? Ich fühlte mich für zwanzig Minuten zu einem genügsamen Greis reduziert – oder erweitert. Es gab auch was zur Ukraine, aber halt nur auf einem Bierbänkchen.

    Schloss Ettlingen

    Hat oft recht: Jesus