Freitag, 6.5.2022
MONDO CANE MIT BIBER UND NUTRIA
Hier, das ist die Pforte zum Schwarzwald. Verhangen ist der Morgen über dem Albtal heute, das Licht fällt weich herab. Gestern, als ich hier ankam, war es kühl und feucht gewesen, und dichter Nebel ließ die Wipfel der Bäume auf den Weinbergen wie unfertige Kreidezeichnungen aussehen. Ich stand mit Johannes auf der großen Terrasse des Kunstvereins, die den Blick nach Nordwesten hin freigab, und Johannes zeigte auf ein verlassenes Haus, unten zum Tale hin, und erzählte, dort habe er gestern eine Rotte Wildschweine gesehen. Er beobachtete die Wildschweine, und dann, meinte Johannnes, beobachteten die Wildschweine ihn, da oben auf der Terrasse.
Ich hab früh das sog. Gasthaus verlassen, Frühstückshunger trieb mich an. Mein Zimmer liegt direkt an einer Landstraße. Wenn die Autos vorbeirasen klingt es durch das gekippte Fenster wie das Brüllen einer Turbine. Als ich gestern Nacht, nach diesem superlustigen Abend mit den anderen im “Badischen Hof” und unanständig stoned von vier Zügen von T.s Gras, im Bett lag, dachte ich, gleich fährt eines dieser Autos direkt hier ins Haus, in mein Zimmer, und überfährt mich im Bett. Im Bett überfahren. So it goes.
Ich schlief gut.
Neben den Zeichnungen hab ich mein “Sound-Readymade” mitgebracht. Was es eigentlich ist: die Rekonstruktion einer Zufälligkeit. Über Scientist’s Instrumental-Dub “Drum Song Dub” liest Ingeborg Bachmann ihr Gedicht “An die Sonne”. Mir kommts vor, als habe ich diesen Magnetismus nur freilegen müssen, nur auf einem Teller anrichten, nur in eine Vase stellen müssen. Once again, with a feeling: Art is what happens to me.