Freitag, 22.4.2022
SAM KRISS – THE INTERNET IS MADE OF DEMONS
SAM KRISS – THE INTERNET IS MADE OF DEMONS
MORE WALL PIECES
Gestern, ich ging bei Sonne im Staub, am Telefon mit Lord Gar-nicht-so-Bizarro. Ob ich ihn richtig verstanden hätte, letzte Woche, über der Thai-Makrele beim Abendessen, was seine Idee, seine Vorstellung für MEINE Kunst wäre, wie er den maximum output sähe, oder nochmal anders: wie die Hochform finden. Es geht um den Wegfall, vielmehr die Auflösung der Mauern, die ich in meinem Kopf errichtet hatte, zwischen den Welten, den vermeintlichen Welten, die nie zwei verschiedene waren, sondern immer die eine.
Links und rechts dieser Mauer standen bisher:
Die Kunst | Das Schreiben
Ich, zwei andere? Ja, auch, aber eigentlich nicht. Mut soll entstehen, vielleicht gar Ruhe. Vor allem aber: meine Arbeit(en), mein sog. WERK (Entschuldigung). Ich ahne schon, wohin ich es bringen will, wohin ich es steuern will. Ich muss nur die Hände vom Lenkrad nehmen.
Text und Bild. Text UND Bild. Schrift und Schrift als Bild, usw. Und die Abwesenheit all dessen, und das wäre dann wie Erotik. Find ich jut.
And now for another, a new wall piece

VIA BOLZANO
Ob er, frage ich Philipp, wüsste, dass da, gleich in der Bozener Straße, Gottfried Benns Wohnhaus steht? Sicher weiß er das. “Und Benjamins in der Prinzregentstrasse”. Ich bin jedenfalls etwas verknallt, das ist grade meine Lieblingsstraße. Gehe ich zum Bayerischen Platz runter, bleibe ich jedes Mal an der Mündung der Straße stehen, und schaue da rein wie in so eine Schatulle, oder gehe da einmal hoch und runter, wie andere einen Song hören würden, der ihnen gute Laune macht. Jetzt, im Frühling, wenn die Sonne hoch steht und sich absolut zügellos in dieser Straße ausbreitet, wird jedes Haus in so einen Zustand gehoben, die Rundheit und Bogenhaftigkeit, Schartenfenster wie Kiemen, durch die das Haus atmet, die schattigen Balkone und Nischen hinter den Säulen, wo schwere Haustüren locken, so brutal schön und geheimnisvoll. Und eben nicht nur ein Haus, alle Häuser. Stelle mir vor, träume, wie sich die Leben in der Straße anfühlten, ob selbst diese Schönheit, die gebaute und künstliche, von Routine eingeebnet würde, die Aufmerksamkeit dafür nachlässt, broke on Sinnlichkeit, weil es so läuft, weils normal ist.

Gestern fand ich mich auf anstrengende Art von zwei entgegenwirkenden Kräften in meinem Kopf in einer Mitte gehalten, hineingepresst eher. In solchen Momenten fühle ich mich, ein vierzigjähriger Mann, wie ein achtjähriger Junge, erfahrungslos, chaotisch, leicht zu irritieren. Dabei tauchte irgendwann eine Katze auf, ein fremder Kater, den niemand kannte, und der sich offenbar ähnlich orientierungslos fand, wie ich, der neugierig, lieb und zutraulich war, und ich fragte mich, wieso kann der das, und ich nicht.