Life during Wartime–das ist, und ich spreche hier vom vantage point des späten Februar 2022 aus–nicht mehr nur dieser eine Song von den Talking Heads, was es jahrzehntelang exklusiv war. Das ist mittlerweile auch ein Film von Todd Solondz. Menschen haben, mal wieder, mit schöpferischen Hervorbringungen, mit ihrem Wort oder Bild, der großen kulturellen Referenzmatrix (ist d a s nicht die große humane Umarmung überhaupt?) neue Tatsachen der Kunst hinzugefügt, und fügen ständig hinzu – auch während dieser Rechenvorgang läuft. 1 weitere Tatsache der Kunst, auch eine des Schreibens, ist das/ oder kann sein: das Drinvorkommen. Man existiert wirklich, es gibt Zeugen, und die singen. Die Ich-Erschütterung, wohlmöglich doppelt erschütternd, wenn dieses Abbild durch den dunklen Tunnel der Abstraktion, durch Kunst, durch Literatur kommt. Was war passiert: “Er hat getan, was Schriftsteller tun, er hat geschrieben.”
Man braucht, eigentlich, nicht unbedingt den Anblick eines toten Hais in einem Acrylglassarkophag, um sich der Unvorstellbarkeit des Todes aus dem lebendigen Hirn heraus gewahr zu werden. Schon die Unvorstellbarkeit des anderen Menschen, schon die allein ersetzt diesen Mangel völlig. Heh, Wanderer im Nebelmeer: beide Seiten des Mondes sind dunkel. In einem ganz anderen Film, Michael Clayton, fällt irgendwann der irritierend geradeause Satz, als Antwort auf eine Frage, der der Motivation einer bestimmten Handlung nachzugehen sucht: Because people are fucking incomprehensible, that’s why.
Davon handelt, so habe ich es verstanden, auch Marcs neues Buch, “Selfie ohne Selbst”. Der Schriftsteller, der auch ein Leben lebt, und in dem er als Künstler ausschließlich beruflich unterwegs ist, in dem er andere Leute trifft, die manchmal auch Schriftsteller sein können, und die dann darüber schreiben, wie das war, als man den anderen Schriftsteller getroffen hat, weil sich zwei getroffen haben, die immer beruflich unterwegs sind. Was schreibt der andere, und warum schreibt er es so, wie er es geschrieben hat, und sagt die Art und Weise, wie man selbst auf seine Abbildung reagiert, vielleicht etwas über den Gehalt von Wahrheit, in dem, was da an Ungeheuerlichem steht, wie gut glaubte man den anderen kennen zu können, und was für eine inzestuöse Nummer ist da zwischen kennen und einschätzen? Ist man für seine Reaktion selbst verantwortlich? “Art seemed to me like a shelter for all my activities” – so wie Joachim Bessing auf seiner Webseite dieses Zitat von Cyprien Gaillard angibt, als eines, das ein Selbstverständnis des Künstlers exemplarisch formuliert, so möchte ich fast hinzufügen: “Art also as a shelter for all my passivities”