• Donnerstag, 17.2.2022

    THE JOAN QUINN PROFILES

    Ein neues Sturmtief – und ich spreche von Wetter jetzt. Zum Geräusch von scheppernden Blechen und allgemeinem Geklonke schlief ich ein. Komischerweise fragte ich mich recht speziell, ob die Mülltonnen auf die Straße geblasen würden, und ich sie morgen nicht würde finden können und somit einige Antworten schuldig wäre? So sind wir jüdischen Mütter. Vorher sah ich mir ein Interview des Künstlers John Boskovich auf Youtube an, das Jahr war 1994. Geführt wurde es von Joan Quinn, einer bubbly und exzentrischen Society-Greisin aus dem Warhol-Umfeld. Mir gefiel a l l e s an dem Interview. Wo gibt es solche Menschen noch?

  • Sonntag, 13.2.2022

    Am Rhein entlang. Dort, nah an den Ufern, am frühen Nachmittag schon ein bronzenes Licht auf den vom Hochwasser der letzten Tage plattgedrückten, blassgrünen Gräsern, die nun, dicht und anliegend gewachsen, wie merkwürdige Frisuren aus brüchigem Haar aussahen. Das bronzene Licht verlieh diesem Anblick ein anderes Alter, als habe er sich aus der Zeitenlinie gelöst.

    An manchen Häusern, die das Ufer dort säumen, sind kleine Tafeln oder Hinweise in unterschiedlichen Höhen angebracht, die mich schon als Kind fasziniert haben: zB Hochwasserstand April 1548. Ich ging die Uferböschungen ab, in der Erwartung, dort vielleicht etwas Interessantes finden zu können, was sich beim Rückzug des Wassers im Geäst oder im sandigen Boden verfangen hatte. Ich fand nichts. Ich schaute noch ein bisschen auf das Wasser des Rheins, wo sich im Krakelee der wieder fahrenden Schiffe das Sonnenlicht zu einer stechend hellsilbrigen Form ballte, die Hüften und Taillen hatte, und die mich an das Buch dachten ließen, das ich gerade lese. Nicht, weil dieses Motiv dort vorkäme, sondern weil dieses Buch mir so echt und wahr erschien, wie dieses gleißende Licht.

  • Dienstag, 8.2.2022

    YOU’RE TUNED TO CLADRITE RADIO

    Böse klingt der junge Februar. Er faucht aus grauem Schlund durch Baum und Busch und über Wiesen hinweg, die Straßen entlang. Gestern hatte ich frei von der ganzen alltäglichen Asozialität des Öffentlichen. Ich fuhr mit dem Auto herum. Es war dementsprechend schön.

    Und wenn der Tag der Nacht gewichen–
    dann fährt ein jeder durch seinen eigenen Vorspann, ein Stück Straße vor sich, hell erleuchtet von weit aufgerissenen Augen aus Licht.