• Freitag, 4.2.2022

    KÄFERBERG CONFIDENTIAL

    Kein Sonnentag. Die zwei gestrigen Selbsttests, gekauft bei Rossmann für jeweils 3,49 EUR und auf der Liste des Paul-Ehrlich-Instituts mit einer achtzig prozentigen Sensibilität ausgewiesen, zeigten beide den roten Strich bei C und nicht bei T. Trotzdem heute krank im Bett. Den Houellebecq gestern ausgelesen, hänge ich hier jetzt wieder verstärkt in Mike Kelley-Interviews. Es gab dafür keinen richtigen Anlass, mein Gehirn hatte das so entschieden. Offensichtlich gefällt mir die Abwechslung aus stilisierter Form – also Buch, Roman, Film, Kunst – und freier Rederei. Durch das freie Sprechen und öffentliche Denken erfährt man oft erst, wie die Stilisierung überhaupt sein soll, was sie will, nichtwill, auschließen oder auslassen will. So geht es mir jedenfalls. Oder natürlich durch das Schauen, das Anschauen. Bei den Manets zb, letzte Woche, da war es so, daß ich dachte: es ist wahnsinnig gut (und man könnte sehr viel dazu sagen, was es alles eben NICHT ist, im guten Sinne), und es ist eben auch machbar. 

    Es fällt leicht, oder drängt sich vielmehr auf, an die wunderschönen anderthalb Wintersonnentage in Zürich letzte Woche zu denken. Wie man da stand, im dritten oder vierten Stock dieses merkwürdigen Parkhausgebäudes in der Zahnradstrasse, nachdem man grade noch Carroll Dunham bei Eva Presenhuber gesehen hatte, und ein sehr kräftiges Spätnachmittagssonnenlicht, wie mit Soßenbinder angedickt, ergoss sich über den Käferberg, auf der anderen Seite der Limmat, und gelblich-weiße Hilights funkelten wie als Antwort herüber, traten in einen ergiebigen, stillen Dialog mit meinen Augen, die Gallertbällchen sind. Manchmal hört man von Hunden, die ihre eigenen Augen auffressen, uninformiert und hungrig.

  • Mittwoch, 2.2.2022

    ANOTHER CADY MOMENT

    Und ich nahm schon an, ich finde kein Foto mehr der Künstlerin Cady Noland, deren Interessantheit sich natürlich auch durch dieses Rarmachen, durch die jahrzehntelange Unsichtbarkeit konstituiert, während allein ihre Kunst, ihre Arbeiten für sie stehen. Das beneide ich, ich wünsche mir, dass es für mich auch so sein könnte. Und dann fand ich dieses Foto von Allen Frame, und man sieht dort eine junge (fünfundzwanzigjährige) Cady Noland, in einer von diesen selbst schon mythischen New Yorker Telefonzellen, 1981 – da war ich selbst, genau, noch monatelang tot.

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  • Montag, 31.1.2022

    ES IST MAL WIEDER NOCH NICHT SO WEIT

    Voller Elan war ich, als ich ins Atelier losfuhr, um dann, dort angekommen, auf einmal in einen sehr vorsichtigen, zögerlichen Modus umschaltete, eher umgeschaltet wurde. Als ob mein intuitiver Apparat sagte: es ist noch nicht so weit, mal wieder. Statt darunter zu leiden, akzeptiere ich es. Manchmal reicht es, Dinge auf Gedankenebenen hin und her zu manövrieren, bis diese Dinge, die Ideen sind, eine gewisse Dauerprüfung überstanden, ausgehalten haben. Der bestrickende Impuls, er wird kommen, und er wird die Ideen mit sich bringen, die wirklich guten, the ones who dived deep and came up muddy.