• Samstag, 8.1.2022

    ES GIBT LEBEN UNTER DEN NEBENSONNEN

    Von der Transparenz und der schimmernden Farbigkeit der dunklen und dunkelsten Schatten und Tiefen bei the very late spaniard Velázquez, zum Samstagmittag in seuchendynamischer Republik. Der Himmel schwimmt grad in Blau, gelblich-weiß die Wolken ausgebleicht. Andere Wolken, klein und von dunklem Violett, bizarr geformt wie die zerdrückten Körper kleiner Spinnen, ziehen vorüber in merkwürdiger Revue. Manche, so scheint es, werden von den Häusern selbst ausgespuckt.

    Sterben innerhalb von wenigen Stunden Bogdanovich und Poitier. Ich muss mir The Last Picture Show nochmal anschauen, und vielleicht auch alles andere noch. Auf dem Nachhauseweg höre ich mir das Bogdanovich-Interview aus 2015 nochmal an, vielleicht mit das Beste, was Marc Maron je geführt hat. Ich habe eine kindliche Freude daran, solchen Leuten mit ihren 20. Jahrhundert-Biografien zuzuhören. Ich meins wirklich so: wenn ich sowas höre, bekomme ich selbst wirklich Lust auf Leben. Die Welt sollte sich gefälligst verhalten DEMENTSPRECHEND.

    Deutschland selbst, als reale Umwelt, immer mehr etwas, das ich wie einen Verwandten mit leichten Hirnschäden betrachte. Fürsorge und blanke Verachtung durchwaschen mich tageweise. That’s all folks.

  • Dienstag, 4.1.2022

    I DON’T COMPLAIN ABOUT IT WHILE IT’S HAPPENING

    Im Tantuni-Laden, da tragen sie manchmal diese schönen Hemdchen, lila, und in gelber Schrift dann KEBAPLAND, in guter Schriftgröße auf Herzhöhe. Gestern dachte ich wieder, hätte ich auch gern. Ist aber auch gar nicht Kebapland, sondern Tantuni-Land, das ist ja das Schöne. Kebapland ist die Straße runter.

    Was ich gestern mit “Techniken” meinte: ich musste an Richtergerhard denken, wie ich seine ganz offen auf Unsicherheit und Nervosität basierende Herangehensweise, die sich durchaus auf ein, wie ich finde, richtiges, also berechtigtes Künstlerinteresse an grundsätzlich ALLEM bezieht, gerade jetzt, also in den Weltzeiten der letzten fünf Jahre, als gültig empfinde, als die Haltung, die eben genau diese ständigen Unklarheiten miteinbezieht, statt von ihnen ständig boxed in zu sein. Mir selbst kommt das alles total logisch vor. Warhol konnte das auch, da aber zeigte es sich in völlig anderer Wesensform.

    Wetter scheiße.

  • Montag, 3.1.2022

    THE BATHETIC AGE

    Schon der dritte Tag.

    Grad neue Notizen gemacht, ins Atelier-Notizheft, in das ich nur Notizen für die sog. Kunstproduktion mache. Fühlt sich erfrischend an. Hiermit trete ich nicht aus der Kunstwelt aus.

    Was ist neu? Die Zahlen, da oben, eine reine Nullen-und-Zweien-Sache. Ich habs groß und in Rot oben auf die Seite im Notizheft geschrieben, dann unterstrichen, mit dem Lineal.

    Joachim Bessing hat bisher immer eine Art Überschrift, oder eine Art Motto der Beobachtung, für seine bisherigen Ausgaben der Mitschrift gehabt. Das habe ich so nicht, aber für mich hat sich–und dafür habe ich wahrscheinlich wirklich die letzten zwei, drei Jahre gebraucht–etwas herausdistilliert, wovon mein Schreiben hier handelt, und wovon das Machen und Herumwerkstatten im Atelier handelt: vom Bathos, vom Kippmoment, von der Bruchstelle. Es sind Inszenatorische Zeiten. Die Darstellung der bathetischen Zeit verlangt, keinen expliziten visuellen Stil zu haben, keine shticks, das ist phony ass shit für Vernagelte. Die Darstellung der bathetischen Zeit braucht Techniken.